BACKLINE Magazin
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Skitouren-Bekleidung · Testmagazin 2025

Techtalk mit Chris Mayer, W. L. GORE & ASSOCIATES

Product Specialist GORE-TEX Performance · Heftseite 144

Wer ist Chris Mayer? Product Specialist GORE-TEX Performance bei Gore

Chris Mayer ist Product Specialist GORE-TEX Performance bei W. L. GORE & ASSOCIATES. Er arbeitet seit 2006 bei Gore, zunächst für Windstopper und GORE-TEX Snowsports. An der Universität Bayreuth studierte er Sport und Wirtschaft auf Lehramt sowie Sportökonomie mit Diplomabschluss. Zuvor war er als Senior Product Manager bei einem großen fränkischen Sportkonzern für Performance Running, Indoor und Tennis tätig. Seine eigene Bergsportpraxis führte ihn von der Buckelpiste über das Freeriden zum Skitourengehen.

Im BACKLINE-Testmagazin 2025 erläutert Mayer die Anforderungen an Skitouren-Bekleidung: Wetterschutz, Atmungsaktivität, geringes Gewicht, Bewegungsfreiheit und dauerhafte Robustheit müssen zum Einsatz passen. Er beschreibt die Zusammenarbeit mit Markenpartnern bei Materialwahl und Verarbeitung sowie Labor- und Feldtests. Dabei unterscheidet er wasserdichte GORE-TEX-Hardshells von winddichten, nicht wasserdichten Windstopper-Lösungen für aufstiegsorientierte Touren.

Ein Schwerpunkt ist die 2021 vorgestellte GORE-TEX-Produktgeneration mit ePE-Membran, die laut Mayer PFAS-frei ist und CO₂-Emissionen reduziert. Als weitere Maßnahmen nennt er recycelte Außenstoffe, spinndüsengefärbte Innenfutter und elektrische statt gasbetriebener Dampferzeugung am Standort Putzbrunn. Für die Nutzungsdauer von Wetterschutzbekleidung betont er neben der Materialqualität auch die regelmäßige Pflege.

GORE-TEX ist seit Jahrzehnten der Inbegriff für Wetterschutz – was unterscheidet eure aktuellen Technologien gegenüber den älteren Technologien?

Vor über 50 Jahren machte die Erfindung der mikroporösen GORE-TEX Membrane die Entwicklung moderner Funktionsbekleidung, wie wir sie heute kennen, überhaupt erst möglich. Das Jahr 2021 markiert den Beginn einer neuen Ära: Damals präsentierten wir eine neue GORE-TEX Produktgeneration mit einer ePE-Membrane. Sie ist PFAS-frei, reduziert CO₂-Emissionen und erfüllt gleichzeitig Anforderungen an Wetterschutz und Langlebigkeit, wie man das von Gore erwartet und gewohnt ist.

Welche Innovationen in euren Materialien oder Laminaten richten sich konkret an Skitourensportler – und worin liegen die größten technologischen Fortschritte der letzten Jahre?

Bei Gore entwickeln wir neue Technologien immer mit dem „Fit for Use“ Ansatz: d. h. die Produkte müssen in der Praxis dauerhaft das leisten können, was sie leisten sollen. Skitourengehen ist enorm vielseitig: Du brauchst Bekleidung, die dich auch bei extremsten Wetterverhältnissen schützt. Sie sollte aber möglichst leicht sein, sie darf dich nicht einengen und sie muss atmungsaktiv sein. Bereits seit zwei Jahren gibt es dreilagige GORE-TEX Performance Bekleidung mit der neuen ePE Membrantechnologie, die von praktisch allen unseren Markenpartnern auch in ihren Skitouren-Kollektionen verwendet wird. In diesem Herbst kommt nun die neueste Generation der GORETEX PRO Produkte für den extremen Berg- und Expeditionseinsatz in den Handel. „PRO“ ist seit jeher der höchste Standard und die Benchmark in Sachen Robustheit und Wetterschutz, bei gleichzeitig hervorragender Atmungsaktivität bei intensiver körperlicher Anstrengung. Um unseren Markenpartnern geeignete Laminat-Technologien anbieten zu können, werden alle GORE-TEX Technologien auf wissenschaftlicher Basis entwickelt und nach den höchsten Standards kontinuierlich getestet: von R&D über die Prototypenentwicklung der Markenpartner bis zur Kontrolle der Serienproduktion bei den Herstellerfirmen. Dazu betreiben wir eigene Testlabore an den wichtigsten Standorten weltweit: in den USA, in China und in Deutschland. So wollen wir sicherstellen, dass unsere Produkte leistungsfähig sind und bleiben. Trust is earned: Wir arbeiten beständig daran, dass das Vertrauen in uns gerechtfertigt ist. Wir machen keine Abstriche bei der Performance.

Gerade bei Skitouren ist das Klima wechselhaft – wie reagieren eure Technologien auf stark unterschiedliche Belastungsphasen wie Aufstieg und Abfahrt?

Die Markenpartner designen ihre Bekleidung für einen bestimmten Einsatzbereich. Darauf stimmen sie Schnittführung und Features ab und treffen ihre Materialwahl aus dem umfassenden Portfolio unserer verschiedenen Laminate. Mit unseren Technologien und unserem Verarbeitungs-Know-How unterstützen wir unsere Markenpartner dabei, ein sinnvolles, leistungsfähiges Produkt für die Anwender zu entwerfen. Design, Einsatzbereich, Materialität und Konstruktion müssen zusammenpassen. Geht es zum Beispiel um eine universelle Allround-Bergjacke oder eine robuste Freeride-Jacke? Soll es eine absolut wasserdichte Hardshell werden oder eine aufstiegsorientierte, winddichte, aber nicht wasserdichte Jacke, die ja für viele Skitouren eine optimale Wahl wäre? Auch dafür bieten wir mit der Windstopper-Technologie eine ideale Bekleidungslösung an. Über die rein mechanische Belastungsfähigkeit der Laminate und Bekleidung muss man sich keine Gedanken machen: Unsere Materialtests setzen an, lange bevor wir aus den angesprochenen Bestandteilen ein Laminat herstellen. Was die Produkte in allen Entstehungsphasen in unseren Laboren und später bei Feldtests ertragen müssen, übertrifft die Praxis beim Endkunden bei weitem. Das reicht von Reiß- und Abriebfestigkeit, Knick- und Schrumpfverhalten bis zu Farbechtheit und Saugverhalten. Physiologisch sieht es etwas anders aus: Hier setzen der eigene Körper und die Physik die Grenzen. Wie schwitzt man? Wie groß ist das Temperaturgefälle zwischen Körper und Umwelt? Der Komfort und damit die Praxistauglichkeit von Bergsportbekleidung wird maßgeblich von der Atmungsaktivität bestimmt, außerdem von der Haptik und dem Gewicht. Manche wird es überraschen: Wasserdichtigkeit spielt eine untergeordnete Rolle. Denn wasserdicht ist unsere Membrane immer. Die Kunst besteht darin, dass sie gleichzeitig dampfdurchlässig, d. h. „atmungsaktiv“ ist. Erst diese Eigenschaft macht Bekleidung brauchbar für schweißtreibende sportliche Aktivitäten wie das Skibergsteigen. Um größtmöglichen Tragekomfort zu erreichen – denn nur dann wird die Bekleidung auch gerne und sinnvoll genutzt – müssen diese Textilien außerdem so weich und leicht wie möglich sein und dauerhaft funktionieren. Und schließlich besteht die Herausforderung darin, all diese Eigenschaften in einem möglichst robusten Laminat zu bündeln, um eine lange Haltbarkeit zu gewährleisten. Deshalb arbeiten wir eng mit unseren Markenpartnern zusammen. Auch während der Serienproduktion prüfen wir laufend einen gewissen Anteil der hergestellten Produkte.

Nachhaltigkeit ist in der Outdoorbranche seit einigen Jahren ein zentrales Thema – welche konkreten Schritte geht Gore in Bezug auf umweltfreundlichere Membranen, Recycling und Produktion?

Bei Gore betrachten wir alles ganzheitlich und verantwortungsvoll und erarbeiten auf wissenschaftlicher Basis Lösungen. Nachhaltiges Handeln ist bei Gore Fabrics von Beginn an Teil der Produktentwicklung und strategischen Ausrichtung. Ziel war und ist, ökologische und soziale Verantwortung mit technischer Leistungsfähigkeit zu verbinden – langfristig, faktenbasiert und im Austausch mit Partnern aus Industrie und Forschung. Ein Beispiel ist die angesprochene neue GORE-TEX Produktgeneration mit ePE-Membran. Sie ist PFAS-frei und reduziert CO₂Emissionen. Ein Großteil der Außenstoffe besteht aus recyceltem Polyamid oder Polyester und praktisch alle Innenfutter sind spinndüsengefärbt, was den Wasserverbrauch enorm reduziert. Wir beschäftigen uns zum Beispiel auch mit den Herausforderungen des Textil-zu-Textil-Recyclings. Während PET-Flaschen als Rohstoff etabliert sind, ist beispielsweise das Recycling von Alttextilien deutlich komplexer. Aber wir entwickeln nicht nur unsere Produkttechnologien verantwortungsvoll weiter, sondern auch unsere Fertigungsprozesse und das Unternehmen selbst. An unserem Fertigungsstandort Putzbrunn (bei München) wurde beispielsweise ein zentrales gasbetriebenes Dampferzeugungssystem durch mehrere dezentrale elektrische Dampferzeuger ersetzt – ein wichtiger Schritt zur Reduktion fossiler Energieträger und zur Steigerung der Energieeffizienz.

Wie sieht die Zukunft der Wetterschutzbekleidung aus eurer Sicht aus – und was dürfen Tourengeher in den kommenden Jahren von Gore erwarten?

Das, was sie schon immer von uns erwarten konnten: Fit for Use, best in class Bekleidung, die umfassenden, dauerhaften Schutz bietet. Für unsere wasserdichten GORE-TEX Produkte gilt seit über drei Jahrzehnten unser weltweit einzigartiges Qualitätsversprechen: Guaranteed to keep you dry. Wir stehen dafür ein, dass die Bekleidung, die du kaufst, dauerhaft funktioniert und geben die Verantwortung nicht an den Markenpartner oder die Käufer ab. Nur für die regelmäßige Pflege ihrer Bekleidung sind sie selbst verantwortlich. Das ist ganz einfach, verlängert die Produktlebensdauer, erhält die Performance und schont Umwelt und Geldbeutel.