BACKLINE Magazin
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Italien, Schweiz, Österreich · Rätische Alpen

Crossing the Alps

Ausgabe 2025 · Text: Mico Kehrle · Fotos: Martin Fiala · 3 min Lesezeit

Crossing the Alps

Zwischen Terminen, Videocalls und E-Mail-Flut ist er immer da – der Wunsch, draußen zu sein. Für mich bedeutet das: Tempo drosseln, bewusstes Erleben, spüren, wie der Alltag hinter mir bleibt. Nicht weg, sondern mittendrin: Schnee. Stille. Freunde. Endlich ist es so weit – unser AlpenCross führt …

Zwischen Terminen, Videocalls und E-Mail-Flut ist er immer da – der Wunsch, draußen zu sein. Für mich bedeutet das: Tempo drosseln, bewusstes Erleben, spüren, wie der Alltag hinter mir bleibt. Nicht weg, sondern mittendrin: Schnee. Stille. Freunde. Endlich ist es so weit – unser AlpenCross führt uns in vier Tagen über einsame Pässe, durch spektakuläre Landschaften und in charmante Berghütten – immer mit Leidenschaft, Teamgeist und dem Blick fürs Wesentliche: die Freude am Unterwegssein in den Bergen. Jede Etappe hat ihren eigenen Charakter, ihre Herausforderungen und magischen Momente. Mit dabei ein außergewöhnliches Team: Vale, kreativer Filmemacher mit Gespür für besondere Momente. Martin, Ex-Weltcupfahrer und Fotograf mit dem perfekten Auge.

Öf, Trailrunner und Abenteurer. Trischi, Filmemacher und Fotograf mit Blick für echte Bergmomente. Gemeinsam wollen wir Spuren hinterlassen – im Schnee und in uns selbst. Was diesen AlpenCross speziell macht? Zuallererst die Menschen, dann das Abenteuer, die Regionen und die Momente. Ein Erlebnisbericht befreundeter Skitourengeher über Berge, Hüttenabende und die Magie des Skibergsteigens. Wir starten in Livigno, dem „Tibet der Alpen“. Am Vortag trafen wir uns am Bahnhof in Kempten – Rucksäcke geschultert, Skier präpariert, voller Vorfreude. „One-Way-Ticket?“, fragte der Busfahrer nach Livigno ungläubig. Ein Hinweis, dass unsere Pläne nicht der Norm entsprechen. Frühmorgens steigen wir bei mediterranem Licht hinauf zum Passo del Leverone.

Die Felle greifen gut, der Atem wird ruhiger, das Gelände weiter. Auf 2.818 Metern überschreiten wir die Staatsgrenze – das Licht kippt, der Wind frischt auf. Die Abfahrt bringt tragenden Altschnee, dann flaches Gelände bis S-Chanf. Skaten, schieben, beißen. Die letzten Höhenmeter ziehen sich. „Earn your turns“ wäre der passende Hashtag. Die Es-Cha-Hütte empfängt uns wie ein Logenplatz über dem Engadin. Wir wärmen uns mit den Hüttenwirten Nicola und Silvana bei Tee, Hüttenmakaroni und Geschichten. Draußen funkelt der Sternenhimmel über der Bernina – drinnen wächst das Gefühl: Wir sind angekommen – nicht nur geografisch. Der zweite Tag beginnt still, mit orangefarbenem Licht auf den Gipfeln. Heute geht es quer durchs Engadin. Der steile Anstieg zur Porta d’Es-Cha auf 3.000 Metern verlangt Konzentration – hartgefrorener Schnee, zuletzt mit den Skiern am Rucksack.

Oben öffnet sich der Blick auf den Gletscher unter dem Piz Kesch. Martin sagt passend: „Dafür lohnt sich jeder Höhenmeter.“ Die Abfahrt in den Kessel ist ein Geschenk – feinster Pulver, breite Hänge, jeder zieht seine Linie, allein und doch verbunden. An der Kesch-Hütte wartet Kaffee, draußen blendet das Licht. Wir gleiten durch ein weites Tal, bevor wir erneut aufsteigen – durch offene Landschaft, wie geschaffen für Skitouren. Am Sertigpass wartet die letzte Abfahrt – hinunter ins Sertig Dörfli. Sonne auf der Haut, Rösti auf dem Teller. Es sind die einfachen Dinge, die zählen. Der Himmel über Klosters an unserem dritten Tag ist wolkenlos, das Team eingespielt, der Schnee gefroren. Unterhalb des Madrisa-Horns spuren wir mit Harscheisen.

Niemand außer uns ist unterwegs, die Geräusche gedämpft, nur das Kratzen des Metalls. Der Schnee ist wechselhaft, doch die Abfahrt ins österreichische Gargellental überraschend gut – Schattenhänge voller Pulver. Einmal mehr staunen wir über die Vielfalt der Alpen. Am Kristberg blicken wir ins Klostertal. Auch hier sind wir allein. Der Schnee wird knapp, die Nordabfahrt reicht fast bis ins Tal, die letzten Meter gehen wir zu Fuß. Der Arlberg empfängt uns mit Tauwetter. Müde Beine, volle Köpfe – wir spüren, dass sich etwas rundet. Drei Tage, drei Länder, viele Höhenmeter – und noch ein letztes Kapitel vor uns. Noch ein letztes Mal Geschichten erzählen.

Der letzte Tag beginnt mit Regen. Wir halten Kurs auf den Großen Widderstein. Der Schnee wird oben besser, tragfähig. Beim finalen Anstieg zum Hochalppass klart es plötzlich auf. Für einen Moment ist alles da. Bei Sonne und Sicht erkennen wir die Konturen vertrauter Gipfel – Höferspitze, Gamsfuß. Dann die letzte Abfahrt durch bekanntes Gelände. Im Tal stoßen wir an – auf vier Tage, drei Länder, ein unvergessliches Abenteuer. Was bleibt? Ein AlpenCross, wie er sein soll: ehrlich, gemeinschaftlich, alpin und voller kleiner Höhepunkte. Wir waren nahezu allein unterwegs und haben getan, wofür wir in die Berge gehen: uns gespürt, einander vertraut, die Einfachheit gesucht.

Crossing the Alps
© Martin Fiala
Crossing the Alps
© Martin Fiala
Crossing the Alps
© Martin Fiala
Crossing the Alps
© Martin Fiala
Crossing the Alps
© Martin Fiala

Fahrer: Mico Kehrle, Christoph Öfele, Valentin Rapp, Markus Trischler