BACKLINE Magazin
EN

Österreich, Schweiz · Bergell

For Ten Minutes of Eternity

Ausgabe 2025 · Text: Valentin Werner-Tutschku · Fotos: Merlin Libicky · 3 min Lesezeit

For Ten Minutes of Eternity

Es gibt Momente am Berg, die dauern nicht länger als einen Atemzug – und bleiben doch für immer. „Gold“, der neue experimentelle Skifilm von Mountain Tribe, widmet sich genau diesen flüchtigen Minuten – genauer gesagt der Goldenen Stunde. Jenem schmalen Zeitfenster am Morgen und Abend, wenn das …

Es gibt Momente am Berg, die dauern nicht länger als einen Atemzug – und bleiben doch für immer. „Gold“, der neue experimentelle Skifilm von Mountain Tribe, widmet sich genau diesen flüchtigen Minuten – genauer gesagt der Goldenen Stunde. Jenem schmalen Zeitfenster am Morgen und Abend, wenn das Licht weich wird, der Schnee golden schimmert und jede Bewegung von einem Hauch Magie umgeben ist. Doch was so poetisch klingt, ist in der Realität des Hochgebirges selten – und kaum planbar. Schnee, Wetter, Exposition und Zeit müssen im perfekten Einklang stehen. Ein Ideal, das der vergangene Winter in den Alpen kaum bieten wollte.

Trotzdem machten sich Andri Bieger, Martin Kogler und Vali Werner-Tutschku auf die Suche – nach genau jenen seltenen Linien in den Alpen, in denen das Unplanbare noch Realität sein kann. Der Film zeigt atemberaubende Abfahrten, hinter denen Nächte ohne Schlaf, Aufstiege im Dunkeln, gescheiterte Pläne – und am Ende: ein paar wenige magische Minuten stecken. Goldene zehn Minuten, in denen alles stimmt. Mit Wärmebildkamera und eigens komponierter Klangkulisse taucht „Gold“ tief ein in die Kontraste der winterlichen Bergwelt: Licht und Schatten, Kälte und Wärme, Mühe und wenig Leichtigkeit. Ein Freeridefilm, der keiner ist – sondern ein künstlerisches Porträt eines Moments, der fast nie kommt. Aber wenn, dann ist er Gold wert.

„Gold“ – das steht nicht nur für ein wertvolles, glänzendes Material, sondern auch für die kostbarsten Momente im Leben eines Freeriders. Die Goldene Stunde dauert in Wahrheit lediglich wenige Minuten, in denen das Licht perfekt ist: Zehn Minuten am Morgen und ebenso am Abend. Doch in ihr kann alles zusammenkommen: magisches Licht, perfekte Schneebedingungen und die richtige Exposition. Kann, wohlgemerkt. Denn in den Bergen ist nichts garantiert – vor allem nicht dieses fragile Zusammenspiel aus Zeit, Wetter, Schnee und Gelände. Genau dieses flüchtige Zusammenspiel einzufangen, war das Ziel von Mountain Tribe. Der experimentelle Skifilm „Gold“ macht sich auf die Suche nach jenen seltenen Abfahrten in den Alpen, bei denen alles stimmt.

Doch was auf dem Papier fast romantisch klingt, erwies sich in der Realität des letzten Winters als zermürbend. Die außergewöhnlich dürftigen Bedingungen in den Alpen reduzierten die ohnehin raren Optionen drastisch.

Viele große Klassiker – legendäre Linien mit perfekter Ausrichtung – blieben den gesamten Winter unbefahrbar. Von allen großen Plänen konnte einzig die Cima di Rosso Nordwand realisiert werden. Schneearm und warm war der Winter – viele Touren begannen mit den Skiern auf dem Rücken statt an den Füßen. Der Rhythmus des Projekts: Aufbruch mitten in der Nacht, lange Zustiege im Dunkeln, 1.500 Höhenmeter, bevor das erste Licht erscheint. Am Gipfel, ein kurzer Moment der Ruhe, der Sonne entgegen wartend, bevor der rote Knopf gedrückt wird und jede Sekunde zählt. Die Sonnenuntergänge waren geprägt von aufkommendem Wind und Kälte bis der Schatten das Ende einer Linie erreicht.

Und schließlich, in letzter Sekunde, wenn das Licht sich vom Fuß des Berges verabschiedet und Kameramann wie auch Fotograf perfekt positioniert sind, wird das „Go“ gegeben. „Gold“ ist weit mehr als ein weiterer Freeridefilm mit Abfahrten im perfekten Licht. Die Macher entschieden sich für eine gewagte visuelle Umsetzung: Ein essenzielles Element wurde durch Wärmebildkameras und -drohnen ergänzt. So entstanden abstrakte, fast surreale Aufnahmen, die das Spiel mit Licht und Temperatur in den Vordergrund stellen. Der Skifahrer wird zur Silhouette im Infrarot, Bewegung zur grafischen

Komposition. Das „weiße Gold“ – der Schnee – wird buchstäblich in neues Licht gerückt. Abgerundet wird die visuelle Ästhetik durch eine eigens entwickelte Klangkomposition. Geräusche des Aufbruchs, das Knirschen von Schnee, die Kälte der Nacht – alles fließt zusammen in eine dichte Atmosphäre. „Gold“ ist ein künstlerisches Statement über das Freeriden im Hochgebirge, über Licht und Schatten, über Wärme im kalten Element – und über das Streben nach dem perfekten Moment, der vielleicht nie kommt. Oder eben doch – und dann zahlen sich Stunden und Tage der Vorbereitung aus. Für zehn vergängliche Minuten. Für zehn Minuten der goldenen Perfektion.

For Ten Minutes of Eternity
© Merlin Libicky
For Ten Minutes of Eternity
© Merlin Libicky
For Ten Minutes of Eternity
© Merlin Libicky
For Ten Minutes of Eternity
© Merlin Libicky
For Ten Minutes of Eternity
© Merlin Libicky

Fahrer: Martin Kogler, Valentin Werner-Tutschku