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Kirgisistan / Tadschikistan · Pamir & Tian Shan Range

On the Snow Leopard’s Trail

Ausgabe 2016 · Text: Mateusz Kielpinski · Fotos: Marcin Kin · 5 min Lesezeit

On the Snow Leopard’s Trail

Für europäische Skifahrer ist es nicht unbedingt normal, im Juli auf Skireise zu gehen. Allerdings ist Andrzej Bargiel kein normaler Skifahrer. Mit erst 28 Jahren hat der polnische Abenteurer aus …

Für europäische Skifahrer ist es nicht unbedingt normal, im Juli auf Skireise zu gehen. Allerdings ist Andrzej Bargiel kein normaler Skifahrer. Mit erst 28 Jahren hat der polnische Abenteurer aus Zakopane bereits einige der schwierigsten Berge der Welt abgehakt, darunter Shisha Pangma, Manaslu und Broad Peak. Als er die Möglichkeit bekam, in den Tian Shan und Pamir zu reisen, konnte er nicht widerstehen. Ziel des Trips war, die fünf höchsten Berge der ehemaligen Sowjetunion zu besteigen, was damals mit dem Schneeleopard-Orden ausgezeichnet wurde. Außerdem wollte Andrzej die fünf Berge abfahren, was nur sehr wenigen Alpinisten vor ihm gelungen war.

Um damit sicher in die Geschichtsbücher einzugehen, plante er gleich noch einen neuen Geschwindigkeitsrekord für die Besteigung aller fünf Berge in Folge. Der Reise gingen Monate der Planung voraus. Nur wenige Kletterer hatten jemals den Schneeleopard-Orden erhalten. 1999 setzten Denis Urubko und Andrey Molotow aus Russland den Rekord für die Serienbesteigung aller Siebentausender: 42 Tage. Andrzej wollte 30 Tage brauchen – was nur mit Tourenski möglich wäre, denn damit käme er schneller voran, verbrächte weniger Zeit in exponierten Hängen und könnte schneller auf Wetterumschwünge reagieren. Und das Beste: Er würde den endlosen Powder dieser sagenhaften Berge abfahrend genießen.

Nach Abschluss der Vorbereitungen hieß es, tief durchatmen, aufbrechen und den Rest der Welt erst einmal vergessen. „Die Berge rufen mich, also muss ich gehen“, meinte er lachend, als er am Flughafen Chopin in Warschau ins Flugzeug stieg, auf dem Weg zum Pik Lenin. 16. Juli - Pik Lenin (7.134 Meter): Am 16. Juli um 9 Uhr morgens stand Andrzej auf dem ersten Gipfel. Dank des guten Wetters hatte er die Tour in nur 15 Stunden geschafft. Der Höhepunkt war die zweistündige Abfahrt durch die Nordwand des Pik Lenin. Mit Hilfe seines Begleiters Kuba, der die Abfahrt durch das Fernglas überwachte, konnte Andrzej sicher durch die engen Gletscherspalten navigieren und sich völlig dem wohl jungfräulichsten Schnee der Welt hingeben.

3.000 Höhenmeter später war er wieder im Basecamp, am sogenannten „Zwiebelfeld“. Glückwünsche folgten, alle waren guter Laune. Weiter ging es zum nächsten Berg. 25. Juli - Pik Korschenewskaja (7.105 Meter): In der folgenden Woche erfuhr die Gruppe ihre erste wahre Prüfung. Die Schwierigkeiten begannen, als die Crew nicht nach Tadschikistan einreisen durfte. Ein 2.000 Kilometer langer Umweg über enge Passstraßen war die Folge. Zudem litt Andrzej auf dem Weg an einer Lebensmittelvergiftung. In Jirgital angekommen, wurden sie noch einmal drei Tage aufgehalten. Die Stimmung war unterirdisch. Endlich im Basecamp Moskvina angekommen, besserte sich die Stimmung schnell wieder, denn die Sonne zeigte sich am Himmel.

Andrzej beschloss, das gute Wetter zu nutzen und sofort aufzubrechen. „Die ersten vier Stunden waren grausam. Mir war übel und ich wollte umdrehen.“ Die Nachwirkungen der Lebensmittelvergiftung, lange Querungen in schwierigem Schnee, massiv hängende Seracs und ein technisch anspruchsvoller Grat machten die Tour zur echten Extremerfahrung. Trotz der widrigen Voraussetzungen schaffte Andrzej sie in nur 13 Stunden. Zwei von fünf Gipfeln waren geschafft. Auf zum nächsten! 2. August - Pik Ismoil Somoni (7.495 Meter): Dichter Schneefall verzögerte den Aufstieg zum dritten und höchsten Berg des Schneeleoparden, dem Pik Ismoil Somoni. Andrzej verließ das Basecamp am Montagnachmittag und verschwand schnell im milchigen Nebel.

Er kämpfte sich durch Tiefschnee und erreichte später am Abend das Biwak auf 6.100 Metern. Ist man in dieser Höhe auf Skitour, erwartet man nicht, andere Bergsteiger zu treffen. Doch Andrzej begegnete tatsächlich einem Russen. Beide teilten sich in dieser Nacht ein Zelt. Nach einer kurzen und eher unbequemen Nacht setzte Andrzej den Aufstieg fort. Das Gelände des Pik Ismoil Somoni mag nicht das schwierigste sein, aber lange Distanzen und viele Schlüsselstellen machen aus dieser Tour eine echte Herausforderung. Irgendwann erreichte er den Gipfel, ruhte sich kurz aus, schnallte die Skier an und ging langsam an die Abfahrt. Die Belohnung für den langen Aufstieg bestand aus hüfthohem Powder von oben bis unten.

27 Stunden nach dem Aufbruch stand Andrzej wieder im Basecamp und trank heißen Tee. Er war der erste, der in diesem Jahr den Gipfel geschafft hatte. Obwohl erschöpft, war er überglücklich. 10. August - Khan Tengri (7.010 Meter): Nach drei Gipfeln hatte niemand gedacht, dass Andrzej so schnell mit dem Khan Tengri weitermachen würde. Die Gruppe erreichte den südlichen Inylchek-Gletscher und Andrzej war innerhalb weniger Stunden bereit. Ein drohender Wetterumschwung bedeutete, dass er schnell machen musste. Und das tat er. Nach etwa elf Stunden hatte Andrzej den Gipfel und die Abfahrt geschafft und war zurück im Basecamp. Das Glück meinte es wirklich gut mit ihm. 14.

August - Dschengisch Tschokusu (Pik Pobeda, 7.439 Meter): Der Wetterbericht für den letzten Gipfel war nicht unbedingt positiv. Ein weiterer Schneesturm zeigte sich auf dem Wetterradar. Andrzej wägte die Alternativen ab und beschloss, es zu versuchen. Mit dem richtigen Timing und ein wenig Glück wäre es zu schaffen, dieses Jahr der erste Alpinist auf dem Gipfel des Dschengisch Tschokusu zu sein. Am Nachmittag des 14. August verließ Andrzej das Camp. Das Wetter hielt und er stieg bis zum Biwak auf 7.000 Metern auf. Unglaublich, aber wahr: Auch hier traf Andrzej auf ein russisches Expeditionsteam. Man begrüßte sich und die Stimmung war gut. Das änderte sich jedoch schnell, denn innerhalb weniger Stunden kam der vorhergesagte Sturm.

In kürzester Zeit waren die Zelte der Gruppe tief eingeschneit. Das Camp war nur 500 Höhenmeter vom Gipfel entfernt, aber der Schnee machte die Verhältnisse unsicher. Andrzej traf die schwere Entscheidung, weiterzugehen. Am nächsten Morgen stieg er schnell auf. Kurz nach 12 Uhr hielt Andrzej die Stoppuhr an. Der fünfte Gipfel war bezwungen – nur 30 Tage nach dem ersten, dem Pik Lenin. Mission erfolgreich beendet.

On the Snow Leopard’s Trail
© Marcin Kin
On the Snow Leopard’s Trail
© Marcin Kin
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© Marcin Kin
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© Marcin Kin
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© Marcin Kin

Fahrer: Andrzej Bargiel