Island · Akureyri-Fjord
One for the Books
Ausgabe 2024 · Text: Stefan Baumgartner · Fotos: Lukas Dürnegger · 4 min Lesezeit

Das Flugzeug steht auf der Startbahn von Keflavik und ist bereit für unseren Heimflug. Ich blicke in die Gesichter der Crew. Bei jedem erkenne ich zwei wesentliche Dinge: Müdigkeit, da uns der letzte Abend im Nachtleben von Reykjavik einiges abverlangte – der Dancefloor und das ein oder andere …
Das Flugzeug steht auf der Startbahn von Keflavik und ist bereit für unseren Heimflug. Ich blicke in die Gesichter der Crew. Bei jedem erkenne ich zwei wesentliche Dinge: Müdigkeit, da uns der letzte Abend im Nachtleben von Reykjavik einiges abverlangte – der Dancefloor und das ein oder andere Viking (ein isländisches Bier) haben Spuren hinterlassen. Doch das viel Wichtigere, das sich wahrscheinlich auch in meinem Gesicht abzeichnet, ist das Gefühl von Dankbarkeit und unglaublicher Freude über das Erlebte während der letzten sieben Tage im Norden von Island.
Wenn du mit einer Gruppe aus Skiverrückten auf Entdeckungsreise in den isländischen Fjorden rund um Akureyri unterwegs bist, geht es um mehr als nur unfassbare Abfahrten direkt am arktischen Meer. Cody Townsend hat es nach seiner Expedition auf Baffin Island gut auf den Punkt gebracht: „It’s the people.” Für den Trip nach Island suchten wir daher sieben Mitreisende. Anforderungen: Good Vibes, Beine für 1.000+ Höhenmeter pro Tag und die Skills für die eine oder andere steilere Linie. Welche Skills man in Island aber wirklich mitbringen muss, stellte sich dann aber erst im Laufe der Woche heraus. Warum überhaupt
Island? Wir wollten eine nicht ganz alltägliche Destination. Skitourengehen auf der größten Vulkaninsel der Erde. Im Land von Feuer und Eis. Im Land der Extreme.
Die Autofahrt von Reykjavik nach Akureyri offenbarte uns die unendlichen Weiten dieses Landes. Stundenlanges Fahren, ohne einen Menschen zu sehen, und eine unfassbar schnell wechselnde Natur. Und Pferde, viele davon. Schnee allerdings war Mangelware. Auch als wir in Akureyri ankamen, versanken wir nicht gerade im Powder. Der Winter war dank Klimawandel nicht der beste aller Zeiten. Was uns zuerst ein bisschen bedenklich stimmte, löste sich aber spätestens bei der ersten Skitour auf. Die ersten 100 Höhenmeter mussten wir uns oft durch saftige Wiesen kämpfen, doch nach kurzer Zeit konnten wir anschnallen und zu den endlosen Firnflanken hinaufspuren.
Die österreichische Männer-WG mit dem Quotendeutschen zeichnete sich durch die Kreation kulinarischer Highlights in der Lodge, dank Lukas den wohl besten Foto- und Video-Content sowie „good times“ ohne Ende aus. Und wie stand es um die Skitouren? Je nach Wetter jagten wir entweder Firn oder Pulver-
schnee hinterher. Das Wetter in Island ist relativ unberechenbar. Von März bis Mai hat man die besten Chancen auf gute Bedin- gungen. Wer das nötige Kleingeld mitbringt, kann mit Viking Heliskiing fliegen. Wer das Tourenabenteuer lieber langsamer angeht, nimmt seine Felle und erkundet die 1.000 bis 1.500 Meter hohen Gipfel mit reiner Muskelkraft.
Und dann war es Zeit für die Königsetappe. Unsere Beine waren von den ersten drei Tagen, an denen wir die Gebiete östlich und westlich des Akureyri-Fjords erkundet hatten, bereits gut auf- gewärmt. Die Schneeverhältnisse reichten von extrem gut bis ziemlich bescheiden. Sonne und Temperatur sind bei Früh- lingsabenteuern deine besten Freunde, aber auch deine größten
Feinde – je nach Höhe, Exposition und Tageszeit. Die Vorhersage für den fünften Tag sprach eher für einen Down Day, aber alle waren heiß auf diese Tour.
Wir hatten rund 1.700 Höhenmeter und 6 Stunden vor uns. Der Start der Tour lag 15 Minuten nördlich von Dalvik. Wir brachen direkt von den Klippen am Rande des Fjords auf und stiegen die ersten 100 Meter wieder über eine Wiese in ein kleines Seitental. Dann spurten wir auf den Gipfel des Kerahnjúkur auf 1.097 Metern, gefolgt von einer Abfahrt nach Nordwesten in Richtung Ólafsfjörður. Vor uns lag eine steile, 600 Meter hohe Felswand. Sie verjüngte sich in drei Rinnen, die zu einer Ebene führten. Jeder wählte seine Linie. Wir traversierten nach Norden und zogen
unsere Felle wieder auf. Der zweite Gipfel folgte. Wir kämpften uns über das nicht enden wollende Plateau des Brimnesdalsjö- kull und nahmen den 1.070 Meter hohen Kistufjall ins Visier. Die Vorfreude wuchs, auch wenn unsere Beine nach insgesamt 1.600 Höhenmetern nicht mehr die frischesten waren. Auf dem Gipfel angekommen, wurden unsere hohen Erwartungen noch einmal übertroffen. Wir blickten in Richtung Nordosten. Das Nordpo- larmeer und der Eyjarfjörður lagen uns zu Füßen. Perfekter Firn erwartete uns. Content-Meister Lukas startete seine Drohne. Christoph, Alemax und ich steuerten mit Vollgas dem Meer entgegen. Der Rest der Gruppe folgte unseren Spuren. Wir waren einfach hin und weg von diesem Run, der uns für immer in Erinne- rung bleiben wird – ein einmaliges Abenteuer.
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Fahrer: Stefan Baumgartner, Alemax Meier, Philipp Nenning, Bernhard Pfeiffer, Christoph Puggl


