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USA (Alaska) · Alaska Range

The Denali Experiment

Ausgabe 2012 · Text: Adam Clark · Fotos: Adam Clark · 5 min Lesezeit

The Denali Experiment

Mit seinen 6.194 Metern überragt der Denali die ohnehin riesige Alaska-Kette. Der höchste Berg Nordamerikas und einer der Seven Summits lockt schon lange Bergsteiger auf seine Routen und Bergkämme …

Mit seinen 6.194 Metern überragt der Denali die ohnehin riesige Alaska-Kette. Der höchste Berg Nordamerikas und einer der Seven Summits lockt schon lange Bergsteiger auf seine Routen und Bergkämme, Rinnen und Wände. Seine Möglichkeiten fürs Skifahren sind weniger bekannt, auch wenn sich seit der Erstbefahrung durch Tsuyoshi Ueki 1970 jeden Frühling Skispuren an seinen Flanken finden. Viele große Gipfel sind nicht für das Skifahren geschaffen, weil sie zu steil sind, ohne klare Linien, zu gefährlich oder zu ausgesetzt. Ein Flug um den Denali hingegen zeigt, wie geeignet er – trotz seines tödlichen Potenzials – für Skifahrer ist.

So führt die „West Buttress“ als meistbestiegene Route erstaunlich schön und relativ sicher zum Gipfel und bietet einige steile Ski-Optionen. Wenn die Bedingungen gut sind, vermeidet man hier die meisten objektiven Gefahren, auch wenn Spalten, Stein- und Eisschlag, bitter kalte Temperaturen und wilde Stürme drohen. Sind die Berggötter milde gestimmt, kann der Denali zum Skitraum werden. Im Juli 2011 traf sich ein starkes Athletenteam am Denali. Die Bergsteiger-Legenden Conrad Anker, Hilary O'Neill, Jimmy Chin, Emilio Previtali und Jim Zellers wollten die relativen Neulinge Sage Cattabriga-Alosa, Ingrid Backstrom, Giulia Monego und Lucas Debari in die Kunst des Höhenskibergsteigens einweihen.

Schon 1989 konnte Conrad das breite Spektrum für Freeskiing inmitten all der Aufstiegsrouten am Denali studieren. Jetzt waren unsere Ziele, zu lernen, Spaß zu haben und skizufahren. Und natürlich wollten wir auch den Gipfel erreichen. Vor der Reise berichteten Medien über Tod, Eis, Wind und kalte Temperaturen am Denali... „Spaß zu haben und zu lernen“, das wäre bei diesen Bedingungen kein Problem, aber das Skifahren auf 45 Grad steilen Eispisten in einer Höhe von 6.000 Metern würde richtig hart und gefährlich werden. In Talkeetna warten vollbepackte kleine Flugzeuge auf ein Wetterfenster, um auf den Kahiltna-Gletscher zu fliegen.

Während des vierzigminütigen Fluges sehen wir, wie das Grün langsam einer fast schwarz-weißen Landschaft aus Fels und Schnee weicht. Als um 22 Uhr unsere Ausrüstung in Rucksäcken und Schlitten verpackt ist, setzen wir angeseilt einen Fuß vor den anderen und hoffen auf sichere Bedingungen. Die ersten Tage auf dem Kahiltna-Gletscher verbringen wir damit, uns an die Höhe und das Leben in der Alaska-Kette zu gewöhnen. Schwere Lasten quälen unsere Körper, beanspruchen Muskeln, von deren Existenz wir nicht einmal wussten. Tagsüber bringt die Sonne den Gletscher zum Schmelzen – dann schlafen wir im Zelt.

Nachts überqueren wir den Gletscher – dann sind die Schneebrücken stabil, der Schnee gleitet besser und wir schwitzen nicht jeden Tropfen Wasser aus unseren Poren. Die Sonne geht gegen 2 Uhr morgens unter und taucht die Berge, Gletscher, Séracs und Spalten in ein variantenreiches Farbenspiel von Pink und Weiß. Kurz herrscht Dunkelheit, dann kehrt das Pink zurück. Die Sonne beginnt ihren neuen Aufstieg, und das magische Spiel läuft in umgekehrter Reihenfolge ab. Für jede erfolgreiche Expedition sind der Wasserhaushalt und die Ernährung Schlüsselfaktoren. Am Denali Schnee zu schmelzen, wird zur Lebensart, um die sich der ganze Tag dreht und zur Party, bei der jeder mithilft. Das Wichtigste dabei ist, sauberen, dichten Schnee zu finden.

Conrad hat die Kunst des Schneeschmelzens perfektioniert und war immer schneller als alle anderen. Viele Informationen zirkulieren darüber, wie viele Kalorien man als Bergsteiger verbrennt und für das Leben auf 4.000 Metern braucht. Seine Rationen einzuteilen, ist hilfreich. Doch wenn im Mai und Juni eine große Zahl Alpinisten den Denali besteigen wollen und viele vorzeitig abbrechen, gibt es im Basislager jede Menge herrenlose Gratiskalorien. Entscheidend ist, die Lebensmittel mitzubringen, die keiner missen möchte: Schokolade, Käse, Fleisch und alles nicht Dehydrierte. Auf 4.000 Metern errichten wir an einem schönen Platz das Basislager und bauen einige Schneewände gegen die möglichen starken Winde.

Nun müssen sich unsere Körper akklimatisieren und mehr rote Blutkörperchen produzieren. Wir besuchen unsere Nachbarn im weltweit besten Café für Bergsteiger – mit bis zu 300 Leuten von jedem Kontinent. Der Denali hat so ziemlich das schlechteste Wetter der Welt und wegen seiner Breitengrad-Lage 63° N einen wesentlich niedrigeren Atmosphärendruck mit einer dünneren Troposphäre als andere hohe Berge. Dies bedeutet weniger Luft, was wiederum die Höhenanpassung beeinflusst. Um unsere Gipfel-Chance zu optimieren, steigen wir zum Hochlager auf 5.300 Meter. Am Gipfeltag wachen wir um etwa 10 Uhr auf und schmelzen bis 12 Uhr Wasser, essen und legen die Ausrüstung an.

Bei blauem Himmel und minus 26 Grad Celsius gehen wir los und steigen langsam zum Denali Pass auf 5.500 Meter, den wir mit Gegenwind von 10-25 Kilometer pro Stunde erreichen. Die nächsten 450 Höhenmeter bläst der Wind weiter: Ich kann den Wind-Chill-Faktor in der Höhe nicht beurteilen, aber es ist bei weitem kälter, als ich es je erlebt habe. Das bestätigt auch der erfahrene Everest-Bergsteiger Jimmy Chin. Als wir den Gipfelkamm erreichen, einen 150-Höhenmeter Anstieg namens Pig Hill, hört der Wind auf. Die wenigen Wolken um den Gipfel verschwinden und ich ziehe meine bauschige Jacke aus. Der Gipfelkamm ist atemberaubend. Monsterwechten bauen sich über der riesigen Südwand auf. Bei klarer Sicht blicken wir endlos weit in die Wildnis Alaskas.

Die Berge, die während des Aufstiegs hoch über uns aufragten, erscheinen nun wie Vorberge. Der Mt. Foraker, mit 5.304 Metern zweithöchster Gipfel, sieht jetzt fast wie ein normaler Berg Alaskas aus. Wie bei den meisten guten Dingen des Lebens sollte man sich auch beim Skifahren Zeit lassen. Viele Faktoren beeinflussen die Schneequalität, gerade in großer Höhe. Während des Aufstiegs bescherten uns einige kleine Stürme wärmere Temperaturen und einen leichten Wind, der den Schnee an den eisigen Flanken des Denali kleben ließ. Als wir an einem Tag Ausrüstung ins Lager auf 5.300 Meter transportierten, lud der Hang oberhalb des Camps die Hälfte der Crew zu einem mitternächtlichen Vergnügen im Pulverschnee ein.

Lucas und Sage sprangen bei letztem pinkfarbenem Licht von Natureisschanzen und über Spalten, während der Rest aus purer Lust am Skifahren johlte. Die Schneegötter fanden wohl Gefallen an uns, denn der weiche Schnee am Denali blieb während der ganzen Akklimatisation erhalten – selbst noch vom Gipfel herunter.

The Denali Experiment
© Adam Clark
The Denali Experiment
© Adam Clark
The Denali Experiment
© Adam Clark

Fahrer: Giulia Monego, Sage Cattabriga-Alosa, Ingrid Backstrom, Hilary O'Neill, Conrad Anker, Jimmy Chin, Emilio Previtali, Jim Zellers, Lucas Debari

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