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Frankreich / Schweiz · Pennine Alps (Chamonix - Zermatt)

The Haute Route – The Spirit of Skiing

Ausgabe 2013 · Text: Mikey Hovey · Fotos: Jeremy Bernard · 5 min Lesezeit

The Haute Route – The Spirit of Skiing

Julien Regnier, Seth Morrison und JP Auclair stiegen als erste an der Grand Montet aus, der Rest folgte. Unser Zehn-Personen-Team stand kurz vor einem außergewöhnlichen Erlebnis: Mit den Guides …

Julien Regnier, Seth Morrison und JP Auclair stiegen als erste an der Grand Montet aus, der Rest folgte. Unser Zehn-Personen-Team stand kurz vor einem außergewöhnlichen Erlebnis: Mit den Guides Stephan Dan (FanFan) und Francois Regis-Thievenet würden wir in Chamonix, der Hochburg des französischen Alpinismus, starten und der Haute Route auf 100 Kilometern durch die Penninischen Alpen bis nach Zermatt, der Schweizer Hochburg des Alpinismus folgen. Unser Team würde von Hütte zu Hütte ziehen, von französischem „Refuge“ zu Schweizer „Cabane“, und die klassische Überquerung mit jeder Linie aufpeppen, die wir finden konnten.

Wir tauchten in die Europäische Skikultur ein und lernten schnell, dass die Berge unsere wahren Guides waren, und dass wir uns als Team aufeinander verlassen können mussten. „Wir hatten Glück. Neun schöne Tage am Stück mitten im Winter ist nicht die Regel“, resümierte FanFan. „Es war eine echte Expedition. Alle Hütten waren geschlossen, wir trugen unsere Verpflegung, und die Logistik war nicht einfach. Und es war bitter kalt.“ Die langen Tage, die Anstrengung der steilen Aufstiege voller Schweiß verbanden uns mit den Gletschern, Tälern und Pässen, und je weiter wir kamen, desto enger wurde die Verbindung. Wir wurden eins mit den Bergen, eins in der Gruppe und konnten nur so unsere Spur von Chamonix nach Zermatt ziehen.

In den Schutzhütten waren nur die Winterräume zugänglich, jeder unterschiedlich ausgestattet: Manchmal verwöhnten ein wärmender Ofen, Strom oder extra Betten und Decken – manchmal nicht. Abenteuerlich waren auch die Nächte. Wir fielen erschöpft in die Kissen und wussten nicht, was kommen würde. Die Höhe, die Kälte, das Schnarchen, Husten, Herumwälzen, andere Bergsteiger, die spät eintrafen oder früh aufbrachen – all das konnte die wichtige Nachtruhe stören. Doch die Athleten steckten die widrigen Verhältnisse weg und waren stets fit. Und dann gab es die ästhetischen, anspruchsvollen und steilen Linien. Seth's gefährliche Abfahrt war zu hören: Wie ein Eiskratzer auf der gefrorenen Autoscheibe klang es, als er beim Setzen der Kante abrutschte.

Als Vollprofi respektierte er die Regeln des Berges und folgte seinen Vorgaben, um vorwärts zu kommen. Die wahre Herausforderung unserer Tour wurde klar, als er offen zugab: „Ich genieße es, aber es ist eine andere Art des Skifahrens. Nach all dem Aufsteigen und Spuren sind die Beine müde, und der Rucksack ist schwer. Das ist etwas anderes.“ JP war viel mehr als nur der Skifahrer, den ich bis dahin kannte. Mit seiner Passion und seinem Respekt vor den Bergen baute er zu jeder Linie eine Beziehung auf, blieb im Aufstieg immer konzentriert und nahm aufmerksam wahr, was sie ihm zu sagen hatten. JP fuhr – ganz weise „alte Seele“ – flüssig und kontrolliert Ski und wusste genau, was er riskieren konnte.

Der kreative Julien trat mit offenen Armen auf die Berge zu und spielte mit ihnen, als wären sie alte Freunde. Für den Perfektionisten war eine unsichere Landung Grund genug, wieder aufzusteigen und den Sprung ein viertes oder fünftes Mal zu wiederholen. Er nutzte die Möglichkeiten des Terrains am besten aus und betonte: „Ich liebe es, Alpinismus mit Freestyle zu kombinieren. Und wenn ich Neues machen kann, nutze ich die Chance. Das hat mich schon immer gereizt.“ Wie auf einem Foto, eingerahmt vom Plateau du Trient, die Arme in die Luft gestreckt, stieß am zweiten Tag Glen Plake zu uns, den wir zufällig auf der Grand Montet getroffen hatten.

Auf die Frage nach der Tour antwortete er: „Als ich alleine hinter euch her gestiegen bin, erinnerte ich mich daran, wie ich das letzte Mal alleine auf einem Berg unterwegs war. Das war wirklich bizarr... und RICHTIG einsam.“ Damit meinte er den Lawinenunfall am Mount Manaslu, bei dem elf Bergsteiger ums Leben kamen, darunter seine zwei Partner. Nach einer derartigen Erfahrung würden einige ihre Bergkarriere beenden, andere, die ohne Berge nicht leben können, ziehen wieder los, um das Erlebte dort zu verarbeiten, wo sie sich wirklich lebendig fühlen. Plake waren seine Ski sehr wichtig. Er nahm sie ins warme Zelt, prüfte sie und wachste sie stets neu. Es schien, als ob er ihnen zurückgeben wollte, was sie ihm zuvor gegeben hatten.

Nach einer Etappe unter Vollmondlicht belohnte uns der magische Anblick des Matterhorns. Dies bedeutete das Ende unserer Tour – dachten einige. Nur 20 Minuten später schob sich eine dichte Wolkenfront vor den Gipfel und verschluckte die Sonne. Francois und FanFan spürten die sich schlagartig abkühlende Luft an den Fingern, seilten an, und Francois sagte ernst: „Folgt exakt in unserer Spur.“ Wenige Minuten zuvor hatten sie sich noch ausgelassen umarmt. Doch sie wussten genau, wann man entspannt die Umgebung genießen konnte und wann man sich des Risikos bewusst sein musste. Ihnen ging es nicht um die Abfahrten, sondern um die gesamte Tour. Niemals verrannten sie sich in eine Idee; ihr Instinkt ließ sie Pläne, wenn nötig, ändern.

JP beschrieb dies sehr passend: „Sie machen es aus Leidenschaft, nicht weil sie ein Ziel verfolgen. Das ist die richtige Motivation.“ Unser Vertrauen ihnen gegenüber spiegelte ihr Vertrauen in uns wieder. FanFan bezeichnete es als anspruchsvolles Guiding, aber nicht, weil es sich um Profis handelte, die zusammenarbeiteten; kompliziert war es sicherlich nicht.“ Wir setzten unsere Rucksäcke ab, bestellten einen Drink, sahen auf die Berge zurück und resümierten die Tage, die wie Jahre erschienen. „Ich wusste, wir schaffen es, weil sich nicht einmal jemand beschwert hat“, sagte Francois. Seth gab offen zu: „Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich endlich verstanden habe, wie man hier Ski fährt.“

JP sorgte für kollektives Lachen, als er ergänzte: „Ja, ich mag eigentlich das Aufsteigen am liebsten, die Abfahrt ist dann nur noch das Sahnehäubchen...“, womit er auf das Wetter anspielte, wegen dem wir unsere Ziele hatten ändern müssen. Julien bemerkte: „Das ist eine klassische Route, die jeder einmal gemacht haben sollte. Ein großartiges Bergabenteuer.“ Plake lachte und sagte: „Es geht nur darum, in den Bergen zu sein. Hey, das ist das, was ich am liebsten mache.“ Schließlich nickten alle zustimmend, als FanFan mit seinem schweren französischen Akzent zusammenfasste: „Du gehst in die Berge, schaust, was passiert, findest Abfahrten und machst sie, wenn möglich. Für mich ist das die Quintessenz des Skifahrens!“

The Haute Route – The Spirit of Skiing
© Jeremy Bernard
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© Jeremy Bernard
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© Jeremy Bernard

Fahrer: JP Auclair, Seth Morrison, Julien Regnier, Glen Plake