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Schottland · Nevis Mountain Range (Glen Nevis / Highlands)

Whisky or Without Ski

Ausgabe 2015 · Text: Melissa Presslaber · Fotos: Paul Masukowitz · 4 min Lesezeit

Whisky or Without Ski

„Skifahren in Schottland?“ „Kann man dort überhaupt Skifahren?“ Mit Verwunderung wurden mir diese Fragen immer wieder gestellt, als ich davon erzählte, gemeinsam mit Teresa Brenner und dem Fotograf …

„Skifahren in Schottland?“ „Kann man dort überhaupt Skifahren?“ Mit Verwunderung wurden mir diese Fragen immer wieder gestellt, als ich davon erzählte, gemeinsam mit Teresa Brenner und dem Fotograf Paul Masukowitz im März 2015 nach Schottland aufbrechen zu wollen, um dort neue Skimöglichkeiten zu entdecken. Alles begann mit der Idee meines Freundes Paul im letzten Winter: „Hast du Lust auf einen Skitrip nach Schottland?“ fragte er mich. Warum nicht? Wir begannen mit der Planung und versuchten, so viel Information wie möglich zu beschaffen. Im Internet fanden wir einige wertvolle Webseiten rund um das Thema „Gully Skiing“, also Rinnenskifahren in Schottland.

Die schottischen Highlands sind ein verstecktes, unbekanntes Juwel für Skitouren und steile Couloirs. Es gibt dort eine lebhafte Szene von ski- und bergbegeisterten Menschen, die bei jedem Wetter draußen unterwegs sind. Es existiert sogar ein „Scottish Offpiste Skiing book“ von Kenny Biggin über die Skitourenmöglichkeiten in der Nevis Range und am Ben Nevis. Es bietet einen großartigen Überblick über die Gegend und dient zur Orientierung, welche unglaublichen Möglichkeiten vorhanden sind. In dem Führer werden die heimischen Highlands auch als „Klein-Chamonix“ bezeichnet. Zu Recht. Allein der Ben Nevis, mit 1.344 Metern der höchste Berg Großbritanniens, bietet über seine Nordflanke eine große Auswahl an klassischen, langen Steilwandabfahrten.

Zu meiner Verwunderung existiert sogar ein schottischer Lawinenwarndienst für alle Regionen, der täglich in einem Blog über die aktuellen Schneeverhältnisse berichtet. März 2015. Als wir in Edinburgh ankommen, regnet es in Strömen. Nicht gerade das beste Wetter, um eine Reise zu starten. Aber wir haben wechselhaftes Wetter erwartet. Unsere Homebase für die kommende Woche ist ein kleines, gemütliches Holzhaus in Glen Nevis, nahe Fort William – der Outdoor-Hauptstadt im United Kingdom. Mitten in der zauberhaften Natur fühlen wir uns gleich wie zuhause. Regen und Wind sind unsere ständigen Begleiter während der ganzen Woche. Trotzdem brechen wir auf und möchten das Nordcouloir des Stob Ban, der im Schatten des Ben Nevis liegt, besteigen und befahren.

Dieser Berg in der Nähe unserer Hütte ist ein ideales Ziel für die erste Tour. Teresa, Paul und ich starten motiviert vom Ende der Glen-Nevis-Straße. Ein schmaler, matschiger Pfad führt Richtung Stob Ban. In schneereichen Jahren kann man bereits ab dem Parkplatz mit den Skiern los laufen, jedoch haben der heftige Regen und der stürmische Wind der Schneedecke extrem zugesetzt. Es liegt kein Schnee mehr, und wir marschieren eine Stunde mit schwerem Gepäck am Rücken im Regen und versuchen, uns von den starken Windböen nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Keine Chance. Die Natur ist strammer. Es macht keinen Sinn weiter zu gehen, denn je höher wir kommen, umso stürmischer wird der Wind. Wir müssen uns den Naturgewalten beugen.

Trotzdem sind wir weder enttäuscht noch entmutigt. Wir finden es aufregend, in dieser faszinierenden Landschaft unterwegs zu sein und keiner Menschenseele zu begegnen. Nur wir Freunde sind draußen in dieser bezaubernden, grünen Natur. Die Wetterkapriolen halten leider während der nächsten Tage an: starker Regen und stürmischer Wind mit Spitzen am Ben Nevis bis zu 180 km/h! Auch im Osten, wo normalerweise besseres Wetter herrscht, sieht es nicht besser aus. Wir könnten einen Versuch Richtung Ben Nevis starten, jedoch ziehen wir es bei diesem starken Sturm vor, einen Ausflug zur Dallwhinie-Whisky-Brennerei zu machen. Schließlich müssen wir, wenn wir schon in Schottland sind, unbedingt den heimischen Whisky verkosten.

Am besten in Kombination mit feinster Ian-Burnett-Hochland-Schokolade. Herrlich! Auf die Suche nach dem berühmten Monster von Loch Ness begeben wir uns auch, jedoch werden wir leider nicht fündig. Gibt es Nessie wirklich? Der nächste Tag verspricht besseres Wetter, und so starten wir einen neuerlichen Versuch im Gully Skiing. Der Ben Nevis ist in Wolken gehüllt, so dass es uns weiter in den Norden zieht, in den Craig Meagaidh National Park. Für dort sieht das Wetter vielversprechend aus. Wir legen bei warmen Temperaturen und Sonnenschein los. Es tut gut, die Sonne im Gesicht zu spüren. Um den Talschluss und Raeburn's Gully zu erreichen, müssen wir zirka sieben Kilometer mit den Skiern am Rucksack marschieren.

Auf halbem Weg kommt uns eine Gruppe schottischer Bergsteiger entgegen und grüßt freundlich. Wir fragen, wo sie herkommen, denn es ist noch früh am Morgen. Sie erzählen, dass sie „Snowholing“ waren. Das heißt, sie haben sich ein Loch unterhalb einer Wechte gegraben, um zu biwakieren und die Nacht mit Bier und Karten spielen zu verbringen. Verrückt. Schotten sind eben hart im Nehmen. Sie wiederum beneiden Paul, der gleich mit zwei jungen, netten Mädels unterwegs ist. Es ist wie verhext: Wieder hat es zugezogen, als wir den Talschluss erreichen. Teresa und ich wollen trotzdem Raeburn's Gully versuchen. Die starken Windböen und der querfallende Schnee halten uns davon nicht ab.

Während wir hochklettern, fließt von oben grobkörniger Schnee wie ein kleiner Bach neben uns herunter. Zudem ist der Ausstieg stark überwechtet, und wir entdecken Risse in der Schneedecke. Knapp unterhalb des Ausstiegs entscheiden wir uns fürs Umdrehen. Die Abfahrt präsentiert sich hart aber herzlich, doch endlich fahren wir ein paar Schwünge im schottischen Schnee. Leider hatten wir während dieser Woche enormes Wetterpech. Trotzdem war es ein schönes Abenteuer. Wenig Skifahren, dafür umso mehr unterwegs sein in beeindruckender Landschaft. Wir mussten unsere Pläne vielfach ändern und einfach akzeptieren, dass die Natur strammer ist. Schottland ist ein wunderschöner Platz auf Erden mit großartiger Natur. Irgendwann werden wir zurückkehren und unter anderem den Ben Nevis besteigen und befahren!

Whisky or Without Ski
© Paul Masukowitz
Whisky or Without Ski
© Paul Masukowitz
Whisky or Without Ski
© Paul Masukowitz
Whisky or Without Ski
© Paul Masukowitz
Whisky or Without Ski
© Paul Masukowitz

Fahrer: Teresa Brenner, Melissa Presslaber