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Bolivien · Cordillera Real

A skiers journey in the Cordillera Real Mountain Range of Bolivia

Ausgabe 2012 · Text: Christian Pondella · Fotos: Christian Pondella · 5 min Lesezeit

A skiers journey in the Cordillera Real Mountain Range of Bolivia

Mit monotonem Knirschen brechen die Steigeisen durch den gefrorenen Schnee. Gleichförmig setzen wir einen Fuß vor den anderen. Während wir langsam aufsteigen, gehen Verstand, Gedanken und Atmung in …

Mit monotonem Knirschen brechen die Steigeisen durch den gefrorenen Schnee. Gleichförmig setzen wir einen Fuß vor den anderen. Während wir langsam aufsteigen, gehen Verstand, Gedanken und Atmung in einen tranceähnlichen Bewusstseinszustand über. Alles ist in Harmonie. Wir sind auf einem riesigen Berg mit endlos offener Weite rund um uns. Alles ist fokussiert auf den nächsten Schritt, auf die nächsten paar Meter. Ich schaue nach oben und sehe, wie zwei Bergsteiger direkt an mir vorbei rutschen, mit einem kurzen Seil verbunden, nur 350 Meter vom Gipfel entfernt. Der Anblick ist surreal, fast wie im Traum. Dann denke ich, dass dies ein seltsamer Ort ist, um im Schnee zu rutschen.

Plötzlich wird der Gedanke Realität: Ich sehe, wie zwei Menschen in den Tod stürzen. Zu Dritt sind wir in Bolivien unterwegs, einem weit entfernten, exotischen Skireiseziel. Wir haben keine festen Ziele, bekommen keine Unterstützung von Sponsoren oder Zeitschriften, haben keine Aufgabenliste abzuhaken, keinen Film und keine Fotos zu machen. Wir, Giulia Monego, David Rosenbarger und ich, sind nur drei Skifahrer auf der Suche nach einem Abenteuer in Bergen, die wir alle nicht kennen. Unser Reiseziel ist nicht sehr populär in der Skifahrerszene, und es ist noch weniger präsent, wenn es darum geht, Informationen zu den Bedingungen zu finden. Bisher sind wir drei sehr wenig zusammen Ski gefahren.

Unsere gemeinsame Geschichte beschränkt sich vor allem auf die Abfahrt durch die Nordwand der Aiguille Du Midi und einen weiteren spaßigen Skitag in Chamonix. Wir teilten die unglaublichen Höhepunkte, die einem die Berge geben können, ihre Kraft als Katalysator, um Beziehungen zu stärken und Freunde, die man erst ganz kurz kennt, wie Freunde erscheinen zu lassen, die man schon ewig kennt. Jetzt waren wir auf einer dreiwöchigen Reise mit garantierten Höhen und Tiefen, die auch garantiert jede Freundschaft entweder festigen oder beenden. Die Stadt La Paz sollte unser Basislager sein. Die höchstgelegene Großstadt der Welt, auf über 3.900 Metern, zu Füßen einiger 6.000-Meter-Gipfel, die die Aussicht von 2,3 Millionen Einwohnern dominieren.

Hier wollten wir durch die Straßen schlendern, uns akklimatisieren, die Kultur kennenlernen und uns mit den örtlichen Bergausstattern um die Logistik kümmern. Es war einfach, einzutauchen und im Chaos der Stadt zu verschwinden, dann für Tage ins Gebirge zu gehen, um abenteuerliche Skiabfahrten und die Ruhe der Berge zu suchen. Das war unsere übliche Routine, unterbrochen von unerwarteten kleinen Zwischenfällen wie zum Beispiel einer 36-stündigen Tortur, nachdem wir verdorbenes Hühnerfleisch gegessen hatten. Alle drei hatten wir gerade genug Energie, um von unseren Betten zum Baño zu gehen. Und es war nicht garantiert, ob wir es bis dahin schaffen würden.

Nach drei Wochen Abenteuer, die wir meist in Höhen zwischen 5.000-6.000 Metern verbracht hatten, und nach einigen erfolgreichen Skiabfahrten in der Cordillera Real fühlten wir uns stark und akklimatisiert. Wir nahmen den Illimani ins Visier, mit seiner unglaublichen Schönheit und seinem dominierenden Anblick von La Paz, mit einer Gipfelhöhe von 6.439 Metern. Wir würden unsere persönlichen Rekorde schreiben für den höchsten Punkt und den größten Berg, von dem wir je abgefahren waren. 350 Meter vom Gipfel entfernt und sehr optimistisch gestimmt, was eine erfolgreiche Abfahrt anging – der perfekte Abschluss unserer Reise –, sollte unser Tag eine drastische Wendung nehmen. Fassungslos sahen wir zwei gestürzte Bergsteiger direkt neben uns abrutschen.

Ohne zu zögern und ohne viele Worte zu verlieren, fingen wir an, den Weg der abstürzenden Bergsteiger abzufahren. Sie hatten unglaubliches Glück und fielen in die Rückseite einer Gletscherspalte, was ihren 1.500 Meter-Sturz in den Tod stoppte. Ein Bergsteiger war bewusstlos und konnte nicht auf die Notsituation reagieren, war aber sonst relativ unverletzt geblieben. Die andere Bergsteigerin schrie vor Schmerz, die Zacken ihres Steigeisens nur Zentimeter vom Gesicht entfernt: Sie hatte beide Beine gebrochen, einen Oberschenkel und das Schien- und Wadenbein. Glücklicherweise hatten wir den Unfall in dem Moment gesehen, als er passierte. Sonst hätte das Schicksal dieses Glückskindes mit Sicherheit in der Spalte geendet.

Mit vereinten Kräften bauten wir einen Rettungsschlitten und brachten sie aus der Spalte heraus, ein sehr anstrengendes und mühsames Unterfangen. Schließlich tauchten zwei Bergführer auf, um zu helfen, und wir transportierten die Verunglückte sicher einige hundert Meter den steilen und exponierten Gipfel hinunter in unser Lager. Als die Sonne unterging, kamen elf Träger vom Dorf unterhalb ins Camp und halfen, sie den restlichen Berg hinunter zu tragen. 23 Stunden später war das Opfer endlich im Krankenhaus. Am nächsten Tag waren wir zurück im Chaos von La Paz und machten einen Besuch im Krankenhaus. Freudig stellten wir fest, dass es unserer neuen Freundin gut ging und dass der Arzt optimistisch war, was ihre vollständige Genesung betraf.

Wir kamen nach Bolivien auf der Suche nach Abenteuer, dem Nervenkitzel einer unbekannten Reise in die Berge. Wir sind insofern egoistisch, als unsere persönlichen Ambitionen unseren Antrieb ausmachen, Berge zu besteigen und zu befahren; uns an die Grenzen treiben in einem Sport mit ernstem Hintergrund. Mehr als nur ein Sport hat Skifahren unsere Leben bestimmt und gestaltet, uns an unglaubliche Orte geführt, uns Erfahrungen machen lassen, die für immer in unseren Köpfen leben werden. Die Freunde, die man auf diesem Weg findet, sind alles andere als oberflächlich. In den Bergen ist man aufeinander angewiesen und teilt Erfahrungen, die ein Leben schneller beenden können, als man sich vorstellen kann.

Offensichtlich können diese Erfahrungen uns bis zu einer Ekstase bereichern, die die meisten Menschen nie erfahren werden. Die Reise dreier Skifahrer nach Bolivien hat alle Erwartungen übertroffen und unsere Freundschaft gefestigt. Wie Süchtige nach einem weiteren Kick gieren, können wir unser nächstes Abenteuer kaum erwarten.

A skiers journey in the Cordillera Real Mountain Range of Bolivia
© Christian Pondella
A skiers journey in the Cordillera Real Mountain Range of Bolivia
© Christian Pondella
A skiers journey in the Cordillera Real Mountain Range of Bolivia
© Christian Pondella
A skiers journey in the Cordillera Real Mountain Range of Bolivia
© Christian Pondella
A skiers journey in the Cordillera Real Mountain Range of Bolivia
© Christian Pondella

Fahrer: Giulia Monego, Dave Rosenbarger

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