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Österreich · Hohe Tauern

An Ancient Majesty

Ausgabe 2024 · Text: Sandra Lahnsteiner-Wagner · Fotos: Christoph Oberschneider · 3 min Lesezeit

An Ancient Majesty

Inmitten der Hohen Tauern, dem höchsten Gebirgsmassiv Österreichs, thront der Großvenediger, einer der letzten vergletscherten Gipfel in den Ostalpen. Der Großvenediger, auch bekannt als „weltalte Majestät“ seit der Erstbesteigung 1841, ist mit seinen 3.657 Metern der höchste Berg Salzburgs und der …

Inmitten der Hohen Tauern, dem höchsten Gebirgsmassiv Österreichs, thront der Großvenediger, einer der letzten vergletscherten Gipfel in den Ostalpen. Der Großvenediger, auch bekannt als „weltalte Majestät“ seit der Erstbesteigung 1841, ist mit seinen 3.657 Metern der höchste Berg Salzburgs und der vierthöchste in Österreich. Woher der Eisriese seinen Namen hat, ist jedoch weniger bekannt: Vom Gipfel aus ist Venedig nicht zu sehen. Der Sage nach sollen „Venedigermandl“, Fremde aus dem Raum Venedig, auf der Suche nach Gold und Edelsteinen Namensgeber gewesen sein.

Die Skitour auf den Großvenediger ist wie Gold zu bewerten. Auch wenn der Gipfel des Großvenedigers schrumpft (ursprünglich 3.666 Meter) und das Gipfelkreuz 2012 um 15 Meter versetzt werden musste, bleibt der Großvenediger eines der begehrtesten Skitourenziele der Ostalpen. Der Aufstieg von der Nordseite gilt als schönster und vielseitigster, ist aber auch der längste.

Von der Haute Route gut akklimatisiert, war ich noch nicht bereit, die Skitourenski einzumotten. Als meine Freunde Ursi und Christoph den Wunsch äußerten, endlich auf den höchsten Berg ihrer

Der Großvenediger gehört zu den Traumzielen vieler Skitourengeher. Kein Wunder, ist er doch von zahlreichen Skitouren in den Bayerischen Alpen, im Karwendel und selbst aus dem Tennengau oder den Kitzbüheler Alpen sichtbar.

Von der Nordseite aus dem Pinzgau – trotz Hüttentaxi bis zur Postalm auf 1.700 Metern im Obersulzbachtal – sind fast 2.000 Höhenmeter bis zum Gipfel zu bewältigen. Die Tour als Zweitagesunternehmung anzugehen, ist ideal, da die Kürsingerhütte auf 2.558 Metern ein perfekter Stützpunkt ist.

Kurz nach der Postalm können wir die Ski anschnallen und den stetig ansteigenden Weg durch das wunderschöne Obersulzbachtal genießen. Das Tal mit seinen steilen Flanken führt ins großartige Gletschergebiet des Großvenedigers. Neun Gletscher liegen im Einzugsgebiet des Obersulzbaches, der größte davon das Obersulzbach-Kees. Auf 2.230 Metern erreichen wir den Gletschersee, der an der Stelle der ehemaligen „Türkischen Zeltstadt“

liegt. Ignaz von Kürsinger, ein österreichischer Alpinist, bezeich- nete den gigantischen Eisbruch des Obersulzbachkees so, da ihn die Eisformationen an türkische Zelte erinnerten.

Nachdem wir den See überquert haben, geht es über mehrere Rücken hinauf bis zur Kürsingerhütte. Da wir früh dran sind, genießen wir den Strudel und den Ausblick auf die umliegenden Dreitausender. Großer Geiger, Maurerkeesköpfe, Hinterer Broch- kogel… Ziele gibt es genug.

Nach einem reichhaltigen Abendessen gehen wir früh ins Lager, um am nächsten Morgen die Ersten zu sein, die aufbrechen. In der Morgendämmerung starten wir direkt hinter der Kürsinger-

hütte. Ich wähle den Weg oberhalb des Sommerwegs an der Südwestflanke, der uns unterhalb vom Zwischensulzbachtörl wieder auf den Gletscher bringt.

Angeseilt geht es auf flachen Gletscherterrassen Richtung Süden auf die Scharte zwischen Kleinvenediger und Großvenediger zu. Der Gipfel, dessen Hangkante von einem riesigen Eispanzer bedeckt ist, ist stets im Blick. Während der Himmel blau ist, hüllt sich der Gipfel in dichte Wolken. Als wir oberhalb der „Schlüsselstelle“ Venedigerscharte sind, verdichtet sich der Nebel. Ohne die gespeicherte Route hätte ich vielleicht umgedreht. So aber setzen wir den Weg fort und stehen eine Stunde später auf dem Vorgipfel. Ohne Ski gehen wir den kurzen

Schneegrat zum Gipfelkreuz auf 3.657 Metern. Die Aussicht bleibt uns verwehrt, doch die Freude über die Tour und die bevorstehende Abfahrt überwiegt. Die Schneebeschaffenheit am Venedigerkees lädt zu weiten Schwüngen ein, doch Vorsicht ist geboten, das Obersulzbachkees ist spaltiger als sein Ruf.

Wir umfahren die sichtbaren Spalten und fahren über die Gletscherzunge bis zur Türkischen Zeltstadt ab. Einen Tag später ist im Obersulzbachtal der Frühling eingekehrt. Wenn diese Tour die letzte der Saison war, dann war sie ein würdiger Abschluss.

Stillstand ist keine Option. Das Unbekannte treibt Dich an – und wir bringen Dich genau dorthin. Egal, womit und wo Du deine Grenzen suchst und überwindest, Du willst wissen, was da draußen auf Dich wartet. Also finden wir es heraus!

An Ancient Majesty
© Christoph Oberschneider
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© Christoph Oberschneider
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© Christoph Oberschneider
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© Christoph Oberschneider
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© Christoph Oberschneider

Fahrer: Ursi Eberl, Sandra Lahnsteiner-Wagner

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