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Österreich · Karwendel

Brothers of the Mountains

Ausgabe 2021 · Text: Christoph Johann · Fotos: Christoph Johann · 4 min Lesezeit

Brothers of the Mountains

Wir schreiben den 27. September und befinden uns auf 2.400 Metern Höhe im Karwendel. Drinnen ein frischer Luftzug. Draußen ein starker Sturm. Kleine Schneekristalle rieseln mir ins Gesicht. Es ist …

Wir schreiben den 27. September und befinden uns auf 2.400 Metern Höhe im Karwendel. Drinnen ein frischer Luftzug. Draußen ein starker Sturm. Kleine Schneekristalle rieseln mir ins Gesicht. Es ist kalt. Bitterkalt. Ich kann meinen Atem sehen und höre, wie große Schneeflocken an die gefrorene Zeltwand trommeln. Umgeben von Dunkelheit erhellt meine Stirnlampe den Raum. Neben mir liegt mein bester Freund, Fabian Johann, eingehüllt in einen dicken Schlafsack. Wir sind Zwillingsbrüder und professionelle Backcountry-Ski Fotografen aus dem Salzburger Land. Warum sind wir hier? Was treibt uns an und wo soll es hingehen? Fabian: Kannst du dich noch daran erinnern, wie wir zur Ski Fotografie gekommen sind? Christoph: Als könnte ich das vergessen!

Wir waren damals schon viel am Berg unterwegs und wollten die Abenteuer festhalten. Anfangs haben wir Bilder mit dem Smartphone gemacht. Das wurde mit der Zeit zu langweilig und vor gut sieben Jahren haben wir gemeinsam eine Profikamera gekauft. Vermutlich eine der besten Entscheidungen unseres Lebens! Ich kann mich noch sehr gut an den ersten Tag damit am Berg erinnern. Fabian: Lang ist's her. Wo ging es damals nochmal hin? Christoph: Ins Tannheimer Tal. Es hatte über die Nacht 30 Zentimeter geschneit und am Morgen war keine einzige Wolke am Himmel. Die Bedingungen hätten besser nicht sein können. Wir waren den ganzen Tag im Gelände und haben wie wild fotografiert. Du hast am Nachmittag ein beeindruckendes Bild von mir gemacht.

Eine Geländekante, ein Schwung und staubender Schnee. Am Abend saßen wir völlig sprachlos am Laptop. Ich denke, dieses Erlebnis hat unser Leben geprägt und langfristig verändert. Es war nicht nur ein Bild, sondern ein Wegweiser. Was bedeutet die Ski Fotografie für dich? Fabian: Mir geht es darum, Emotionen und Momente für die Ewigkeit festzuhalten. Ich will Menschen für die Natur begeistern. Sie sollen aus ihrem Alltag gerissen werden und die Situation spüren. Ich spreche vom Gefühl der puren Freiheit. Das Gefühl, die eigene Komfortzone zu verlassen und ein Abenteuer zu wagen. Das Gefühl, wenn du die Kraft der Natur spürst. Eindrucksvoll und gewaltig, fast ehrfürchtig. Für mich als Fotograf steckt natürlich noch viel mehr hinter einem Foto.

Gerade, wenn ich dafür leiden musste. Eiskalte Finger, starker Wind oder tiefer Schnee. Es ist das Erlebnis, das das Foto ausmacht. Das versuche ich visuell zu transportieren. Was denkst du darüber? Christoph: Ich denke genauso. Immerhin sind wir gemeinsam an dieser Aufgabe gewachsen und haben voneinander gelernt. Jedes Foto war ein Lernprozess, das ist auch heute noch so und wird wohl nie aufhören. So wächst man als Fotograf. Ich finde es wahnsinnig spannend, dir beim Fotografieren und Skifahren zuzusehen. Mich begeistert der gemeinsame Prozess des Lernens und die Entwicklung unseres Stils. Es sind sicher auch die Menschen, die ein Foto für mich ausmachen. Menschen, die ich auf den Abenteuern kennenlernen darf.

Athleten, die eine Leidenschaft teilen, dafür alles geben und manchmal auch zu viel riskieren. Menschen aus den verschiedensten Kulturen. Jeder völlig anders. Ernst, zielorientiert, albern, tiefsinnig, lustig oder inspirierend. Sie alle sind Künstler auf Skiern. Diese Kunst gilt es festzuhalten. Was war dein prägendstes Erlebnis am Berg? Fabian: Eine schwierige Frage. Da fällt mir einiges ein. Weißt du noch damals, am Arlberg? Es hatte für mehrere Tage heftig geschneit, knapp zwei Meter Neuschnee, und es war durchgehend kalt. Ich denke, das war einer meiner besten Tiefschneetage. Du hast ein Bild gemacht, das auch heute noch zu meinen Favoriten zählt. Auf dem Foto tauche ich bis zum Kopf in den Schnee ein.

Besser hätte ein Bild den Tag nicht beschreiben können. Gibt es Orte, an denen du unbedingt noch fotografieren willst? Christoph: Ich habe schon viel gesehen. Chamonix, Whistler, Innsbruck, Revelstoke, Verbier, die Dolomiten. Ein Wunschort geht mir allerdings nicht aus dem Kopf: Haines, Alaska. Entlegene Gipfel, malerische Landschaften und diese „Spines“. Dramatischer kann ein Kulisse kaum sein. Nach unserem Alaska-Trip 2018 war ich infiziert. Mich inspiriert die raue Natur. Wilde Flüsse, endlose Gletscher und beeindruckende Berge. Ein grenzenloser Spielplatz für Ski Fotografen und natürlich würde ich auch selbst gerne eine Abfahrt wagen. Was macht denn ein gutes Foto für dich aus? Fabian: Dazu gehören viele Faktoren.

Ich denke, eine gute Location ist die Grundlage. Hierfür muss ich im Voraus planen. Wie wird das Wetter? Wie ist die Lawinensituation? In welcher Exposition liegt der gute Schnee? Wo sind Gefahrenstellen? Wann stehen Licht und Schatten richtig? Wo soll der Athlet fahren? Vor Ort muss ich dann ständig im Kontakt mit dem Athleten sein, auf die Komposition achten, auf Wetteränderungen reagieren, meine eigene Position bestimmen und die richtigen Kameraeinstellungen wählen. Es ist komplex, zeitintensiv und oft auch stressig. Wenn es gelingt, entsteht ein sehr gutes Foto. Weitaus spannender finde ich es aber, wenn etwas Unerwartetes passiert. Wenn Nebel aufzieht und eine besondere Lichtstimmung entsteht. Der Moment, wenn man eine neue Linie entdeckt.

Wenn der Fahrer nach seiner Abfahrt auf dich zufährt und vor Freude schreit. Dann entsteht ein unglaubliches Foto! Wie stellst du dir denn die Zukunft vor? Christoph: Täglich dreißig Zentimeter Neuschnee, Sonnenschein und unverspurte Hänge! Man darf ja träumen, oder? Aber ich möchte auf jeden Fall weiterhin so viel Zeit wie möglich in den Bergen verbringen und Kunst erschaffen. Mir ist wichtig, dass ich meine wertvolle Zeit mit einem Beruf verbringe, der mich erfüllt. Am wichtigsten ist mir jedoch, dass wir weiterhin gemeinsam unterwegs sind, Erfahrungen sammeln, uns gegenseitig motivieren und inspirieren, Ideen umsetzen oder uns einfach nur in einem Zelt am Berg unterhalten. Du und ich!

Brothers of the Mountains
© Christoph Johann
Brothers of the Mountains
© Christoph Johann
Brothers of the Mountains
© Christoph Johann
Brothers of the Mountains
© Christoph Johann
Brothers of the Mountains
© Christoph Johann

Fahrer: Christoph Johann, Fabian Johann

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