Kanada · Hankin-Evelyn Recreation Area (British Columbia)
Dreamcatcher
Ausgabe 2018 · Text: Mattias Fredriksson · Fotos: Mattias Fredriksson · 4 min Lesezeit

Es ist Anfang März und noch immer tiefster Winter in British Columbia. Wir fahren auf einer schmalen, schneebedeckten Straße. Was sich wie Wildnis anfühlt, liegt gerade einmal 45 Minuten nördlich von …
Es ist Anfang März und noch immer tiefster Winter in British Columbia. Wir fahren auf einer schmalen, schneebedeckten Straße. Was sich wie Wildnis anfühlt, liegt gerade einmal 45 Minuten nördlich von Smithers. Der Mann hinterm Steuer heißt Brian Hall, ein sympathischer, skiverrückter 67-Jähriger. Er ist die treibende Kraft hinter Hankin-Evelyn, Kanadas erster „Backcountry Skiing Recreation Area“. Während wir auf der Forststraße fahren und Bob Dylan-Klassiker anhören, erzählt er mir, wie hart die letzten paar Winter hier waren: Weniger Schnee als üblich, schwankende Temperaturen und eine instabile Schneedecke. Dennoch war er in den letzten Jahren durchschnittlich mehr als 100 Tage pro Saison auf Skitour unterwegs. Dieser Mann fährt einfach gerne Ski.
Ausgangspunkt unserer Tour ist ein kleiner Parkplatz am Fuß des Hankin-Gebirges. Vor dem Losgehen testen wir unsere LVS-Geräte an einem Checkpoint, wie wir ihn normalerweise aus amerikanischen Skigebieten am Eingang zu Skirouten kennen. Jeder, der in Hankin-Evelyn Touren machen will, muss an dieser Kontrolle vorbei. Dann spuren wir durch den Wald nach oben, während Schnee vom Himmel rieselt. Brians Traumprojekt begann vor über zehn Jahren. Als er und seine Familie in den späten 80er Jahren nach Smithers zogen, waren Skitouren und Backcountry-Skifahren fast unbekannt.
Brian hatte für den Lawinendienst im Yoho Nationalpark und in Lake Louise in Alberta gearbeitet, bevor er als Leiter der Ski Patrol von Ski Smithers, wie das Hudson Bay Mountain Resort ursprünglich hieß, angestellt wurde. Er begann, das Terrain und die umliegenden Berge zu erkunden... „Kurz nach unserer Ankunft sah ich wachsendes Interesse am Backcountry-Skifahren und begann darüber nachzudenken, wie man das durch den Bau eines eigenen Backcountry-Skigebiets unterstützen könnte“, erinnert er sich. Brian merkte schnell, dass es in der Region wenig Möglichkeiten für Touren gab, da der Schnee meist zu windverblasen war. Auch gab es zu dieser Zeit im Ort keine wirkliche Skitouren-Kultur.
Brians Plan bestand darin, Skitouren leichter zugänglich zu machen, damit mehr Menschen darauf aufmerksam und nach Smithers kommen würden. Nach einer halben Stunde machen wir eine kurze Pause, um ein paar Klamotten auszuziehen und Tee zu trinken. Brian zeigt mir eine Waldlichtung, von der mehrere Abfahrten in verschiedene Richtungen abgehen. Irgendwie sieht es wie in einem Skigebiet aus, nur unpräpariert und schmaler. Und das Beste: Hier wird niemals eine Pistenraupe fahren. 2006 begann Brian, ein Gebiet im Kitseguecla-Tal, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Smithers, zu erforschen. Das abwechslungsreiche, schneesichere und nach Norden zeigende Gelände war nahezu perfekt. Die Anfahrt war einfach, es gab keine Bebauung und auch keine Snowmobil-Trails.
„Ich hatte bereits jahrelang nach einem geeigneten Gebiet um Smithers herum gesucht und beinahe aufgegeben, als ich Hankin entdeckte.“ Smithers liegt im Bulkley Valley, etwa 350 Kilometer von der Grenze zu Alaska und 14 Stunden Autofahrt von Vancouver entfernt. Der abgelegene Ort ist ein Spielplatz für Skifahrer, Bergsteiger, Angler und Mountainbiker. Die kleine Stadt mit ihren 6.000 Einwohnern, die in der Forstwirtschaft, im Bergbau oder Tourismus arbeiten, ist umgeben von hohen Bergen. Es gibt ein kleines Skigebiet, das Hudson Bay Mountain Resort, benannt nach dem mit 2.590 Metern höchsten Berg. Im Herbst ist Smithers ein erstklassiges Angelrevier für Regenbogenforellen.
In den luxuriösen Angel-Resorts urlauben Prominente und Industrielle, weshalb sich am lokalen Flughafen im September und Oktober oft die Privatjets stauen. Nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung und der Sicherung der Finanzierung durch die Regierung British Columbias, beauftragte Brian Hall Forstarbeiter mit dem Bau von Wärmehütten mit Öfen und Plumpsklos und der vorsichtigen Ausholzung von Pisten durch den dichten Wald. Auch um Landkarten, Schilder, den LVS-Kontrollpunkt und einen Parkplatz kümmerte er sich. Das Hankin-Projekt wurde durch unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit und die Leidenschaft der Einheimischen ermöglicht. Heute kommen jedes Jahr etwa 4.000 Skifahrer aus Nordamerika und Europa nach Hankin-Evelyn.
Und die Besucherzahlen steigen. Alles ist kostenlos – den Besuchern wird lediglich nahegelegt, eine Spende zu hinterlassen, die direkt in die Community und das Projekt fließt. Brians Hauptanliegen war es, die Einheimischen für den Backcountry-Sport zu begeistern – und das gelang ihm mit großem Erfolg. Der Schneefall wird heftiger, je näher wir zur Wärmehütte kommen. Wir machen etwas Feuerholz und schüren den Ofen an. Bald trinken wir Tee und essen etwas. Die alte Berghütte wurde komplett umgebaut, um Tagestouristen einen sicheren Unterschlupf vor dem Wetter zu bieten. „Wir haben hier atemberaubende Berge und großartiges Terrain, aber es war früher schwer, hierher zu kommen“, sagt Brian... „Das allgemeine Interesse am Skitourenfahren nimmt etwas ab.
Die Menschen haben erkannt, dass es relativ anstrengend ist. Deshalb ist ein Ort wie Hankin einfach perfekt, denn hier kann jeder Touren gehen und kommt auch gut wieder runter.“ Es schneit immer mehr, die Sicht wird schlechter. Wir packen unsere Sachen und verlassen die Hütte. Anstatt weiter zu den Backbowls aufzusteigen, fahren wir direkt in den Wald. Der Schnee ist überraschend tief, die Verhältnisse könnten nicht besser sein. Wir folgen Abfahrt Nummer 4 in Richtung Parkplatz. Es ist eine der steilsten Abfahrten mit Pillows, die richtig Spaß machen. Brian ist ganz Gentleman und lässt mich vorfahren: „Ich bin heute zu langsam.“ Tatsächlich ist der 67-Jährige ein erstaunlich guter Skifahrer, und im Aufstieg konnte ich kaum mithalten.
Als wir zurück am Auto sind, teilen wir uns ein Bier und Brian erzählt mir noch mehr Geschichten über seine Touren. Ich stelle fest, dass ich nur einen Bruchteil dessen, was dieser einzigartige Ort zu bieten hat, gesehen habe.





Fahrer: Mark Abma, Forrest Coots, Brian Hall, Silvia Moser, Stan Ray, Christopher Rubens



