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Österreich · Schobergruppe (Hohe Tauern)

Patience is a Virtue

Ausgabe 2023 · Text: Tom Gaisbacher · Fotos: Tom Gaisbacher · 3 min Lesezeit

Patience is a Virtue

Die Schobergruppe im Nationalpark Hohe Tauern ist nur wenigen bekannt. Zu sehr zieht die angrenzende Glocknergruppe die Leute mit der Besteigung des höchsten Berges Österreichs, dem Großglockner, in …

Die Schobergruppe im Nationalpark Hohe Tauern ist nur wenigen bekannt. Zu sehr zieht die angrenzende Glocknergruppe die Leute mit der Besteigung des höchsten Berges Österreichs, dem Großglockner, in ihren Bann. Weiß man jedoch um das Potenzial dieser kleinen Bergwelt, werden alle anderen Touren der Region in den Schatten gestellt. Auf einer Fläche von nur 412 Quadratkilometer ragen stolze 53 Gipfel über 3.000 Meter in den Himmel. Liebevoll werden sie von Locals auch die „Westalpen des kleinen Mannes“ genannt. Dicht aneinander gereiht bieten sie den perfekten Spielplatz für Tourengeher. Ein wahres Naturjuwel abseits des Trubels. Am Fuß dieser Berge aufgewachsen, entdeckte ich schon früh die Vorzüge der Gegend.

Ständiger Begleiter war damals der Skitourenführer von Robert Zink. Jahr für Jahr versuchte ich mich an immer schwereren Abfahrten – die meisten von Robert erstbefahren. Die steilen, ausgesetzten Flanken dieser Berge hielten so einige Abenteuer für mich bereit. Eine bestimmte Felszacke jedoch drängte sich mir förmlich auf. Von fast jedem Gipfel aus sieht man die imposanten Flanken des Glödis, durch seine Form auch „das Matterhorn der Schobergruppe“ genannt. Wäre es möglich, diesen Berg mit Ski zu befahren? Über die Jahre versuchte ich, Informationen über eine Erstbefahrung zu finden, aber vergebens. Keiner hatte es bisher gewagt, den Berg zu befahren. Auch hatte noch nie jemand genug Schnee dort oben dafür gesehen.

Lediglich ein Foto bewirkte, dass ich nicht aufgab. Es hing in der Lienzer Hütte, einer Schutzhütte am Ende des Debanttals, Ausgangspunkt für die Tour auf den Glödis. Das Foto zeigte ihn im tief verschneiten Winterkleid und ließ eine Linie erahnen. Jedoch fand ich nie derartige Verhältnisse vor. Die Jahre vergingen, und die Flanken des Glödis blieben leer. Eines Tages erhielt ich einen Anruf von Robert Zink. Er hatte von meinem Vorhaben erfahren und war sehr interessiert daran, da er diese Linie selbst seit mehreren Jahren beobachtete. Ich versprach, ihm bei einer ersten gemeinsamen Skitour alle Details der Befahrung zu erzählen. Vier Jahre später war es dann so weit. Robert und ich brachen zu unserer ersten gemeinsamen Skitour auf.

Mit von der Partie war Thomas Mariacher, der bei einer Erkundungstour ungewöhnlich gute Verhältnisse am Glödis ausgemacht hatte. Eine Nordstaulage mit viel Wind aus Nordwest bewirkte, dass sich die Nordostseite des Glödis komplett mit Schnee füllte. Aufgrund der warmen Temperaturen blieb der Schnee am Fels kleben und bildete eine durchgehende, befahrbare Linie. Beim Spuren durch das Debanttal stellten wir fest, dass diese mögliche Befahrung des Glödis die letzte „Große“ in dieser Berggruppe sein würde. Vorbei an der Lienzer Hütte erblickten wir zum ersten Mal die Nordostwand – eine Rinne gefüllt mit zu viel Schnee, thronend über einer riesigen senkrechten Felswand.

Einzig ein schmales horizontales Schneeband verband sie mit dem darunter liegenden Schneefeld. Jeder von uns wusste, was das bedeutete: Maximal exponiertes Queren. Rückzug unmöglich. Wir besprachen unser Vorgehen. Ein Aufstieg über die Abfahrtsroute war unmöglich. Ein kleiner Schneerutsch im oberen Teil, freigelegte Felsen in der Querung – zu viel Risiko. Also Aufstieg über den Ostgrat, der sowohl im Sommer als auch im Winter genutzt wird. Die Temperaturen waren auffallend mild und setzten uns unter Zeitdruck. Immer wieder erhaschten wir Blicke auf die Nordostwand. Manchmal wirkte sie einfach und sanft, manchmal bedrückend und dramatisch. Eine Achterbahn der Gefühle. Oben angekommen, ließ uns ein kalter Nordostwind aufatmen.

Der Schnee wurde nicht weiter aufgeheizt. Alle Zeichen standen auf „Go!“ Ich fuhr in die enge Rinne ein. Kniehoher Powder, keinerlei Spannung. Thomas und Robert folgten einzeln. Am Rande der Felswand angekommen, setzten wir zur Querung an. Dieser Teil bildete wegen seiner Steilheit und dünnen Schneeauflage die Schlüsselstelle. Danach folgten weite Pulverhänge. Als wir unten ankamen und zurückblickten, konnten wir es fast selbst nicht glauben. Wir hatten es tatsächlich geschafft. Seit Beginn meiner Skikarriere hatte ich mit einer Befahrung spektakuliert; nun hatte ich sie gemeinsam mit Robert, meinem Mentor, gepackt. Die erste gemeinsame Tour – auf den letzten unbefahrenen Berg der Schobergruppe. Das Warten hatte sich gelohnt.

Patience is a Virtue
© Tom Gaisbacher
Patience is a Virtue
© Tom Gaisbacher
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© Tom Gaisbacher
Patience is a Virtue
© Tom Gaisbacher
Patience is a Virtue
© Tom Gaisbacher

Fahrer: Thomas Mariacher, Robert Zink, Tom Gaisbacher

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