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Frankreich · Écrins-Massiv

Steep Couloirs and New Friends

Ausgabe 2024 · Text: Ben Tibbetts · Fotos: Ben Tibbetts · 4 min Lesezeit

Steep Couloirs and New Friends

Das Refuge de Chalance ist eine der wenigen unbewirtschafteten Berghütten in den französischen Alpen. Sie liegt hoch über dem ruhigen Valgaudemar-Tal im Südwesten des Écrins-Massivs auf einem von Felsen umgebenen Plateau, weit weg von der großen Stadt, und besteht aus einem einzigen Raum mit …

Das Refuge de Chalance ist eine der wenigen unbewirtschafteten Berghütten in den französischen Alpen. Sie liegt hoch über dem ruhigen Valgaudemar-Tal im Südwesten des Écrins-Massivs auf einem von Felsen umgebenen Plateau, weit weg von der großen Stadt, und besteht aus einem einzigen Raum mit Kochstelle, Essbereich, fünf Betten unten und einem Zwischengeschoss oben mit sechs Betten. Sie wurde 1970 erbaut und hat die für die damalige Zeit charakteristische Rautenform, die an viele Hütten im Vanoise-Massiv erinnert. Man hat das Gefühl, eine Einsiedelei oder Sternwarte zu besuchen.

Mit Silvia und Stefano, unseren italienischen Freunden und Bergführern, machten Valentine und ich uns Mitte Februar auf den Weg nach Süden in die Écrins, um ein kleines Fenster stabilen Wetters und guter Schneeverhältnisse auszunutzen. Angesichts der Abgeschiedenheit des Refuge de Chalance hatte ich wenig Zweifel, dass wir allein sein würden. Als wir in Turnschuhen und mit den Skiern auf dem Rücken die Schranke in Bourg passierten, wurde uns schnell klar, warum die Straße im Winter für Autos gesperrt ist. Der Hang über uns war mit Lawinenschutt übersät, und der Asphalt wies riesige Löcher

auf. Ein Stück weiter war die Straße völlig weggespült. Wir tasteten uns nach vorne, wegen des drohenden Steinschlags immer den Blick nach oben gerichtet. Vom Rif du Sap aus ging es einen steilen, schmalen Pfad hinauf. Die Temperatur stieg am frühen Nachmittag schnell an und der Aufstieg wurde ziemlich schweißtreibend. Nach ein paar Stunden erreichten wir die Schneegrenze in der Nähe der Cabane de la Muande auf über 2.000 Meter und schnallten endlich die Ski an. Wir trafen auf eine alte Aufstiegsspur und tiefe Fußspuren, was darauf schließen ließ, dass vor kurzem jemand hier war.

Wir näherten uns der Hütte und machten zu unserer Überraschung vier Männer auf der Terrasse aus. Wir erfuhren, dass sie am Vortag aus Paris gekommen und aufgestiegen waren. Augrund der Wärme waren ihre Spuren bereits geschmolzen. Sie waren um 9 Uhr morgens in Bourg aufgebrochen und hatten für die 1.400 Höhenmeter zur Hütte ganze 12 Stunden gebraucht. Da sie so viel Schnee nicht erwartet hatten, hatten sie nur gefütterte Gummistiefel und Spikes statt Steigeisen oder Schneeschuhe dabei. Beeindruckt und gleichermaßen entsetzt hörten wir ihrer Geschichte zu.

Im Verlauf des Abends knüpften wir neue Bergfreundschaften, gingen dann aber früh ins Bett. Die Pariser hatten einen langen Abstieg vor sich. Sie brachen um 6.30 Uhr in der Dunkelheit auf. Einige Stunden später machten auch wir uns auf den Weg und stiegen bis zum Grat der Brèche de la Muande auf.

Valentine fuhr als erste ab, wobei sie ihre Schwünge in dem steilen, ausgesetzten Gelände sorgfältig setzen musste. Wir fuhren auf immer besser werdendem Schnee am Lac de la Muande vorbei, passierten den Fuß der Rouies und stiegen im Schatten erneut auf, um den gut versteckten Eingang zum nordwestlichen Couloir zu suchen. Das Gelände war gigantisch, und das geheimnisvolle Couloir, das über uns zwischen massiven Fels-

wänden verschwand, sah verlockend aus. Silvia machte sich auf den Weg in die erste Rinne, die in einen weiten, tief verschneiten Hang mündete. Wir schnallten unsere Ski wieder an, und ich begann, in steilen Spitzkehren eine Spur durch den Hang und die steile Rampe hinauf zu ziehen. Nach einer kurzen Pause spurten wir weiter eine lange Rinne hinauf, die zu einer ausgesetzten Scharte unterhalb der obersten Felswand führte. Weiter unten waren wir noch geschützt gewesen, aber jetzt, dem strengen Nordwind ausgesetzt, beeilten wir uns, etwas anzuziehen.

Wir überquerten den Gipfel in Richtung Plateau des Glacier des Rouies und wurden vom Ausblick über das Hinterland der Écrins begrüßt. Eine kurze Querung führte uns zum Gipfel.

Bei unserer Abfahrt über das zerklüftete Gletscherplateau, vorbei an der Refuge du Pigeonnier und durch die Lawinenkegel, die nach Gioberney führen, gelangen uns zwischen Bruchharsch und Sulz nur wenige elegante Schwünge. Schließlich erreichten wir bei Dunkelheit die Straße. Zurück am Auto schickte ich eine Nachricht an die Pariser Crew, um mich zu vergewissern, dass sie es sicher zurückgeschafft hatten. In der Tat hatte ihr Abstieg den ganzen Tag gedauert und sie waren erst um 15 Uhr wieder am Auto. Zweifellos hatten sie die ganze Komplexität und Schönheit des Winters in den Bergen kennengelernt.

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Steep Couloirs and New Friends
© Ben Tibbetts
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© Ben Tibbetts
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© Ben Tibbetts
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© Ben Tibbetts
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© Ben Tibbetts

Fahrer: Valentine Fabre, Silvia Loregian, Stefano Ragazzo

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