Österreich · Ötztaler Alpen
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Ausgabe 2025 · Text: Simon Schöpf · Fotos: Simon Schöpf · 3 min Lesezeit

Mitten im Hochwinter mit einer Schulklasse auf einen Dreitausender: ambitioniert und einzigartig. Doch ein Lehrer aus Imst wagt genau das – und vermittelt Risikobewusstsein, Selbstvertrauen und Teamgeist. Was man beim Skitourengehen fürs Leben lernen kann. Neben der Bergstation der Riffelseebahn …
Mitten im Hochwinter mit einer Schulklasse auf einen Dreitausender: ambitioniert und einzigartig. Doch ein Lehrer aus Imst wagt genau das – und vermittelt Risikobewusstsein, Selbstvertrauen und Teamgeist. Was man beim Skitourengehen fürs Leben lernen kann. Neben der Bergstation der Riffelseebahn piepst es. „Komm her, näher, näher“, sagt Johannes, bis das Signal schrillt. „Passt, weiter!“ LVS-Check-Ritual bei minus zehn Grad auf 2.300 Metern. Johannes ist 14, testet die Geräte seiner Mitschüler. Alle besuchen die Klasse 4S der Sportmittelschule Imst, Schwerpunkt Sportklettern und Alpinsport. Hochalpine Bergund Skitouren stehen seit Jahren fix am Programm.
Für die Jugendlichen ist es fast normal geworden, wo andere den Atem anhalten: Ski schultern, Felle aufziehen, losziehen. Kurze Abfahrt hinunter zum Rifflsee, tief verschneit, frischer Pulver. Das Knirschen unter den Skiern mischt sich mit leisen Zurufen. Dass die 4S heute nicht im Klassenzimmer sitzt, verdanken sie ihrem Lehrer Alexander Hell. „Furchtbar, wenn Kinder jeden Tag sechs Stunden sitzen. Sobald es schön ist, gemma außi!“ Möglich wird das durch zusätzliche Sportund Projektstunden und eine unterstützende Schulleitung. „Freeride-Tage“ nennt Hell das Projekt. Gestern Tiefschnee in See, heute Tour im Pitztal. Es geht ihm um Bewusstsein für Gefahren im Gelände.
Der Südtiroler ist selbst Bergführer und will seine Leidenschaft für die Berge weitergeben – und die Augen der Jugendlichen für Schönheit und Risiko öffnen. Als er fragte, wer Interesse an einer Tour habe, meldeten sich 14 von 20 Schülern – zu viele für eine Gruppe. Deshalb zwei Termine. Heute ist neben ihm Thomas „Tom“ Eiter dabei, Pitztaler Bergretter und erfahrener Skitourengeher. „Ich glaube nicht, dass es in Österreich oder gar weltweit eine Klasse gibt, die Vergleichbares macht – das ist einzigartig.“ Das Ziel ist ambitioniert: der K2 am Kaunergrat, 3.253 Meter hoch. Wegen seiner markanten Form trägt er den Namen des Karakorum-Giganten. Zuerst heißt es: Auffellen.
Manche, wie Johannes oder Felix, sind schon erfahren, andere heute zum ersten Mal dabei. Doch schnell zeigt sich Teamgeist. Wer schneller ist, hilft den anderen. „Für die Truppe lege ich meine Hand
ins Feuer“, sagt Hell. Seit vier Jahren kennt er ihre Stärken und weiß: Er kann ihnen vertrauen. Bevor es richtig losgeht, prüft der Lehrer: „Welche Lawinenwarnstufe heute?“ – „Zwei oberhalb der Baumgrenze.“ – „Wo Gefahrenstellen?“ – „Triebschnee Nord bis Nordwest.“ – „Richtig.“ Die Klasse ist bestens vorbereitet. Unterwegs wird das Gelände analysiert, Schneetypen erklärt, Spitzkehren geübt – Unterricht zum Anfassen. Und die Gummibärchen sind schneller weg als ausgepackt. Man spürt: Lernen funktioniert hier anders. Die Spur vom Vortag ist zu steil, also legt Hell eine neue, sanftere an. Viele Kleinigkeiten machen eine Schultour anders: Motivation, Ausrüstung, Tempo. Auf halber Strecke „große Pause“: Rucksäcke ab, Panorama genießen, Atem finden.
„Annika, welcher Gipfel dort hinten?“ – „Die Wildspitz!“, ruft die Pitztalerin, die täglich über eine Stunde nach Imst pendelt, um in die Kletterklasse zu gehen. Ein Stück Schokolade wandert von Hand zu Hand, das Lachen wird lauter, die Blicke schweifen ins Weite. Der obere Teil führt durch weites Gelände, noch fast unverspurt. Die letzten Höhenmeter fordern, Pausen häufen sich, Gesichter werden rot, Schritte langsamer. Doch genau darum geht es: sich etwas erkämpfen, Verantwortung übernehmen, an Grenzen gehen und sie ein Stück verschieben. „Das sind Erfahrungen, die wir im Klassenzimmer nie so einprägsam vermitteln können“,
sagt Hell. „Es tut Jugendlichen gut, draußen zu sein, Eigenverantwortung zu übernehmen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen.“ Eine letzte Wahl bleibt: Gipfel oder Skidepot? Vier Schüler, darunter Annika, wollen bis zum Kreuz. Im steilen Gelände spürt man die dünne Luft über 3.000 Metern. Stimmen werden leiser, Schritte konzentrierter. Am Ende fällt Annika vor dem Kreuz kurz auf die Knie – nur, um gleich wieder aufzustehen, tief durchzuatmen und stolz zu lächeln. Sekunden später jubelt die ganze Gruppe. Ein Klassenfoto am K2, das sicher länger bleiben wird als jede Matheformel. One final decision remains: summit or ski depot? Four students,





Fahrer: Klasse 4S / Sportmittelschule Imst



