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Schweden · Sarek National Park

Wind and Wilderness

Ausgabe 2022 · Text: Fredrik Schenholm · Fotos: Fredrik Schenholm · 4 min Lesezeit

Wind and Wilderness

Er gilt als Schwedens leichtester und am besten zugänglicher 2.000er. Der Pårtetjåkko erreicht 2.005 Meter über dem Meeresspiegel und liegt 25 Kilometer von der nächstgelegenen Straße entfernt. Der Berg ist Teil des Sarek-Nationalparks, der oft als „Europas letzte Wildnis“…

Er gilt als Schwedens leichtester und am besten zugänglicher 2.000er. Der Pårtetjåkko erreicht 2.005 Meter über dem Meeresspiegel und liegt 25 Kilometer von der nächstgelegenen Straße entfernt. Der Berg ist Teil des Sarek-Nationalparks, der oft als „Europas letzte Wildnis“ bezeichnet wird. Der Park im Nordwesten Schwedens erstreckt sich über fast 2.000 km2. Es ist eine riesige Gebirgsregion mit schroffen Gipfeln, tiefen Tälern, großen Gletschern und endlosen Linien. Innerhalb des Parks gibt es keine Straßen, keine Hütten, keine Menschen. Man schläft im Zelt, und braucht man Hilfe, ist ein Satellitentelefon angebracht. Das ist echte Wildnis. In diesem Teil des Landes muss man auf sich selbst aufpassen können.

Der Pårtetjåkko befindet sich im südlichen Teil des Sarek. Das nächste mit dem Auto erreichbare Dorf ist Kvikkjokk, ein verschlafenes Nest mit 20 Einwohnern. Von hier aus kann man mit dem Schneemobil auf dem Kungsleden bis zur Nationalparkgrenze fahren. Danach geht es nur mit Muskelkraft weiter, denn im Park sind keine Kraftfahrzeuge erlaubt. Bei günstigen Schneeverhältnissen dauert es etwa drei Stunden, bis man den Fuß des Berges erreicht. Von hier aus sollte es ein Leichtes sein, den Gipfel des Pårtetjåkko zu erreichen. Für uns war es jedoch alles andere als einfach. Wir wussten, dass es ein paar harte Tage werden würden. Die Vorhersage sagte einen schweren Sturm mit großen Niederschlagsmengen und starkem Wind voraus. Aber wer weiß?

Manchmal irrt sich der Wetterbericht. Ursprünglich wollten wir unser Basislager in der Mitte des Sarek aufschlagen, aber die Vorhersage zwang uns, umzudenken und in den südlichen Teil des Parks zu gehen. Nach ein paar Stunden des Umpackens vom Kofferraum in die Pulks auf dem Parkplatz in Kvikkjokk waren wir endlich bereit zum Aufbruch. Nach der 10 Kilometer langen Motorschlittenfahrt auf dem Kungsleden freuten wir uns darauf, in die Bindungen zu steigen. Die Schneeverhältnisse waren perfekt, und wir brauchten nur etwas mehr als drei Stunden, um die neun Kilometer zum Basislager zu spuren. Wir bauten die Zelte auf, gruben ein Wasserloch und breiteten unsere Schlafmatten aus, bevor wir mit dem Abendessen begannen.

Am nächsten Tag wachten wir mit dem Geräusch des Windes auf, der an die Zeltplane schlug. Nach einem schnellen Frühstück im Küchenzelt waren wir bereit zum Aufbruch. Oscar übernahm die Führung, und schon bald befanden wir uns oberhalb der Baumgrenze und spürten ohne deren Schutz den Wind noch stärker. Je höher wir kamen, desto stürmischer wurde es. Bald wurde uns klar, dass es keinen Sinn machte. Wir konnten kaum aufrecht stehen und konnten uns die Bedingungen 900 Meter höher kaum vorstellen. Wir drehten um, der Gegenwind wurde zu Rückenwind und wir flogen fast zurück zum Lager. Später am Abend traf uns das Unwetter mit voller Wucht. Regen im März in Nordschweden auf fast 1.000 Metern über dem Meer.

Irgendetwas stimmt definitiv nicht mit dem Klima, und es ist nichts Gutes. Der Sturm hörte auch am nächsten Tag nicht auf. Zum Glück hatten wir das Küchenzelt mitgenommen, was den Tag im Lager viel angenehmer machte, als ihn in einem kleinen Tunnelzelt zu verbringen. Es war hell im Zelt, als ich nach einer erholsamen Nacht die Augen öffnete. Ein gutes Gefühl durchfuhr meinen Körper. Draußen war es eindeutig sonnig. Sicher, der Wind tobte immer noch, aber ein zweiter Versuch auf dem Gipfel des Pårtetjåkko würde heute auf jeden Fall stattfinden. Einmal draußen, konnte ich jedoch auch heute kaum mein Gleichgewicht halten. Wir stiegen zwei Stunden lang, die Bedingungen waren hart. Der Wind fegte wie eine Dampfwalze über den Berg.

Ohne meine Skistöcke hätte es mich längst umgehauen. Ellen machte ein Zeichen, und wir versammelten uns um sie. „Ich möchte umkehren. Es ist zu windig“, sagte sie, während sie kämpfte, auf den Beinen zu bleiben. Oh nein, dachte ich. Ich will nicht schon wieder umdrehen. Tatsächlich aber wünschte sich ein Teil von mir dasselbe. Der Wind machte die Tour um so vieles anstrengender. Aber der Drang, den Gipfel zu erreichen, war stärker. Wir beschlossen, dass Ellen allein zum Basislager zurückkehren würde, und Oscar, Johan und ich stiegen weiter zum Gipfel. Je höher wir kamen, desto schwächer wurde der Wind. Auf dem Gipfel war es zwar nicht windstill, aber wir konnten aufrecht stehen, ohne das Gefühl zu haben, sofort umzukippen. Der Sarek lag vor uns.

Die Aussicht war magisch, einzigartig. Wir standen auf dem Gipfel des Pårtetjåkko, dem elfthöchsten Berg Schwedens, der auch der leichteste 2.000er sein soll. Für uns war es nicht einfach, aber wer sagt, dass es das sein muss? Die Abfahrt zum Basislager war trotz des Regens am Vortag großartig. Skifahren im Sarek wird immer etwas Besonderes sein.

Wind and Wilderness
© Fredrik Schenholm
Wind and Wilderness
© Fredrik Schenholm
Wind and Wilderness
© Fredrik Schenholm
Wind and Wilderness
© Fredrik Schenholm
Wind and Wilderness
© Fredrik Schenholm

Fahrer: Ellen Dorrepaal, Johan Engebratt, Oscar Wahlund

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