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USA · Cascade Range

A Cascadian Legend

Ausgabe 2012 · Text: Sakeus Bankson · Fotos: Garrett Grove · 5 min Lesezeit

A Cascadian Legend

Die Legenden von umhergeisternden Bergarbeitern und von Bigfoot ebenso wie die Werke der Beat-Poeten Jack Kerouac und Gary Snyder machen die Cascades zu einem mythischen Land. Die ältesten …

Die Legenden von umhergeisternden Bergarbeitern und von Bigfoot ebenso wie die Werke der Beat-Poeten Jack Kerouac und Gary Snyder machen die Cascades zu einem mythischen Land. Die ältesten amerikanischen Sagen erzählen, dass Habgier diese Berge entstehen ließ: Stämme im östlichen Washington und Oregon waren am Verdursten und flehten den Ozean an, seine Kinder „Wolken“ und „Regen“ zu schicken. Der Ozean half, aber die Gier der Stämme nach Wasser war grenzenlos und sie forderten immer mehr: Das verärgerte den Ozean. Er bat den Großen Geist, die Stämme zu bestrafen. Der Große Geist half und schichtete große Haufen Erde und Fels zu einer enormen Wand auf, die die habgierigen Stämme vom üppigen Regen des Ozeans abschnitt.

Der Große Geist arbeitete gründlich – die Wand war groß, steil und gewaltig, und das herabfallende Wasser überflutete alles. Für Skifahrer ist dieser Fluch ein Segen. Er bedeutet steile, niederschlagsreiche, ungestüme Berge, die über 1.130 Kilometer vom Mount Lassen in Kalifornien bis zum Fraser River Valley in British Columbia in Kanada reichen. Backcountry-Freeskier finden in dieser unberührten Wildnis eine Herausforderung, wie die hungrigen Goldgräber einst in Alaska, mit Erstbefahrungen von namenlosen Gipfeln durch Rinnen in weißem Gold. Die in der Region beheimateten Stämme kennen andere Legenden, denen zufolge die Berge Feuerwurzeln haben: Der Große Geist verwandelte zwei sich streitende Häuptlinge in Bergmassive – Mount Saint Helens und Mount Adams, die ihren Kampf auch als feuerspeiende Vulkane fortführten.

Diese geologisch gewalttätige Sage kommt der tatsächlichen Entstehungsgeschichte der Cascades nahe; einen Großteil der Kette formten aktive Vulkane entlang der tektonischen Subduktionszone, die zu dem „Feuerring“ genannten Gürtel im Pazifischen Ozean gehört. Die Cascades-Vulkane überragen die umliegenden Berge deutlich, sind stolze Gletschergipfel wie Mount Rainier, Mount Baker, Glacier Peak, Mount Adams, Mount Hood und der berühmt-berüchtigte Mount St. Helens. Im Sommer sind die im pazifischen Nordwesten liegenden Cascades ein respekteinflößender, aber nicht bedrohlicher Platz. Ähnlich wie in Europa blühen Wildblumen auf den Bergwiesen der „Nordamerikanischen Alpen“, formen Bäche und Flüsse die steilen Täler.

Klares Wasser stürzt durch Wälder, die zu den ältesten der Welt zählen. Nirgendwo schimmert es so unglaublich grün wie hier am mit Moos und Farn bedeckten Waldboden. Bis zu 130 Kilometer breit rückt der Gebirgszug an die dicht besiedelten Städte Vancouver in British Columbia, Seattle in Washington und Portland in Oregon heran und zieht viele Bergsteiger, Kletterer und Camper auf sein Wegenetz. Einer der berühmtesten Wanderwege, der Pazifik Crest Trail, verläuft entlang der Cascades, von Mexiko bis nach Kanada. Nach dem ersten Schneefall werden diese Berge sehr schnell einsam und todernst. Bergkämme erheben sich düster und zerklüftet. Wilde, vom Frost gezeichnete Granitfelsen und Vulkane dominieren die mächtige Skyline wie zornige eiskalte Könige.

Diese 130 Kilometer sind nun ein weitläufiges zerschnittenes Ödland. Die einzigen Zugänge stellen die wenigen Highways, die durch die Cascades schneiden. Nicht selten sind jedoch auch diese nicht passierbar, begraben unter enormen Schneemassen bis zu 25 Metern Höhe. Eine verbriefte Garantie für unglaublich viele Tiefschneetage gepaart mit endlosen Abenteuern. Das Wetterphänomen, das den Cascades ihre berühmten Schneefälle beschert, führt auch zu den berühmt-berüchtigten Temperaturen. Ein halber Meter Pulverschnee bei -35 Grad Celsius ist üblich. Selbst bei 0 Grad Celsius gibt es noch Neuschneetage. Die sogenannten „faceshots“ – Neuschneeladungen ins Gesicht – sind bei allen Temperaturen geboten.

Die meiste Zeit aber treffen Begriffe wie „tief und cremig“ die Schneebedingungen am besten. Nur an wenigen Plätzen weltweit folgt einem „Ein-Meter-Schneefall“ der nächste „Ein-Meter-Schneefall“. Während meines Studiums an der Western Washington Universität in Bellingham setzte ich mir in einem besonders guten Januar ein Limit: „Wenn es am Mount Baker weniger als 40 Zentimeter Neuschnee gibt, werde ich in meine Vorlesung gehen.“ In diesem Monat war ich ganze fünf Tage in der Uni. Ich musste mein Limit korrigieren, sonst hätte ich den Abschluss nicht geschafft. Unterm Strich haben mir die vielen Tiefschneetage am Mount Baker vier extra Jahre Studium eingebracht.

Trotz langer Kletter- und Skigeschichte – unter anderem ist Seattle durch die Zwillingsbrüder Lou und Jim Whittaker und den Bergsteigerpionier Fred Beckey bekannt – sind die meisten Rinnen und Gipfel noch unbefahren, besonders in den unzugänglichen nördlichen Cascades. Doch mit der Weiterentwicklung der Backcountry-Ausrüstung und dem zunehmenden Wissen über das winterliche Gelände ändert sich das. Zur wachsenden Kenntnis des Terrains trägt vor allem der Pilot und Fotograf John Scurlock bei, der mit seinem selbst gebauten Flugzeug die Cascades erkundet und dabei atemberaubende Bilder macht. Die meisten Skiberge der Cascades liegen auf Regierungsland, das wenig Infrastruktur hat. Andere Urlaubsgebiete bieten mehr.

Stattdessen bieten sich schnelle Zugänge zu den besten „Sidecountry-Gebieten“: Die unberührte Wildnis fängt gleich hinter den Liftstationen an, und wenn einen Hang zwei, drei Spuren zeichnen, ist der nächste nicht weit. Messerklingenscharfe Grate liegen wie bei einem Spinnennetz dicht beieinander, und das Panorama gleicht einem „Klein-Alaska“, weit zerklüftet in alle Richtungen. Neben den wenigen Skigebieten schafften die regelmäßigen Waldbrände, der Bergbau und die Holzindustrie Zugänge zum Backcountry. Alte Minenstädte wie Holden Village oder Trinity Camp, Feuerwachposten auf markanten Gipfeln oder das Netz von Forststraßen ermöglichen den Outdoorsüchtigen Zugang zu abgelegenen Touren.

Das kennzeichnet die wunderbaren Cascades – man kann immer noch ein Stück weiter gehen. Die meisten Zufahrten verlaufen durch einsame Wälder und dauern rund 45 Minuten, sei es um ein Backcountry-Ziel oder ein lokales Gebiet zu erreichen. Während der ruhigen Heimfahrten nach einem Neuschneetag, mit laufender Heizung und klammer Skikleidung, ist die Seele dieser Berge zu spüren. Die Scheinwerfer schneiden durch die winterliche Dunkelheit, beleuchten fallende Schneeflocken und die alten Bäume, die bedrohlich am Highway auftauchen. „Es ist Zeit zu gehen“, scheinen sie durch die Windböen zu flüstern: „Aber komm morgen wieder – wir haben eine Überraschung für Dich.“

A Cascadian Legend
© Garrett Grove
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© Garrett Grove
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© Garrett Grove
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© Garrett Grove
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© Garrett Grove

Fahrer: Dave Hancock, John Sweeney, Adam Roberts, Tess Golling, Paul Kimbrough, Jake Sakson, Joe Sullivan, Forrest Coots

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