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Schweiz · Valais Alps (Mattertal)

High Five

Ausgabe 2022 · Text: Andreas Brunner · Fotos: Andreas Brunner · 4 min Lesezeit

High Five

Der Winter 2022 wird vielen in den Alpen nicht als besonders schneereich in Erinnerung bleiben. Unten im Tal ist bereits längst der Frühling eingekehrt, und beim Blick aus dem Fenster des Taxis, das uns vom Bahnhof hinauf zur Täschalp bringt, dominieren eindeutig die grünen…

Der Winter 2022 wird vielen in den Alpen nicht als besonders schneereich in Erinnerung bleiben. Unten im Tal ist bereits längst der Frühling eingekehrt, und beim Blick aus dem Fenster des Taxis, das uns vom Bahnhof hinauf zur Täschalp bringt, dominieren eindeutig die grünen Farbtöne. Der Fahrer hatte uns schon unten am Bahnhof einen mitleidvollen Gesichtsausdruck geschenkt, als wir unsere Tourenskier in den Kofferraum packten. Trotz schneefreier Straßen setzt er uns bereits ein gutes Stück unterhalb der Täschalp „beim Loch“ ab und fragt uns schließlich: „Wollt ihr hier noch Skifahren?“ Es ist Ende April, wir befinden uns an einem Westhang, der bis weit über 3.000 Meter komplett schneefrei ist.

Wir sind spät dran und wollen das Abendessen auf der Täschhütte nicht verpassen. Unsere Antwort fällt deshalb nur knapp aus: „Geplant wär’s.“ Drei Minuten später spazieren wir entlang der Asphaltstraße bergauf. Unsere Skier werden bis zur Hütte am Rucksack bleiben. Wir können den Taxifahrer verstehen. Aber auch wir haben Mitleid: Wenn er wüsste, was ihm entgeht. Wir hätten nicht sieben Stunden Zugfahrt auf uns genommen, wenn wir nicht wüssten, dass wir noch ideale Bedingungen für Skihochtouren vorfinden werden. Ein Tiefdruckgebiet vor wenigen Tagen hat für genau jene 50 Zentimeter Neuschnee gesorgt, die für perfekte Bedingungen dringend nötig waren. Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Wir erreichen die gemütliche Täschhütte pünktlich zum Abendessen und stellen fest, dass nur zehn Gäste hier sind – und das bei einer Wetterprognose, die besser nicht hätte sein können. Mit dem ersten Licht des Tages und den Skiern am Rücken geht es knapp 100 Meter hinter die Hütte. Ab hier können wir endlich auffellen und unsere Spur in Richtung Alphubeljoch ziehen. Das, was hinter uns passiert, ist magisch. Die aufgehende Sonne taucht Weisshorn, Zinalrothorn, Dent Blanche, Obergabelhorn sowie das Matterhorn in ein atemberaubendes Licht. Bald erreichen auch uns die wärmenden Sonnenstrahlen, und wir queren unterhalb des Alphubel durch feinsten Pulverschnee zum steilen Gipfelhang.

Unverspurte Hänge bei Kaiserwetter an einem der meistbesuchten Skiviertausender der Alpen. Wer sagts denn!?! Kurz nach Mittag checken wir in der Britanniahütte ein und sehen bei einem Bier auf der Sonnenterrasse, wie immer mehr Leute eintrudeln. Auf dem Strahlhorn geht es am kommenden Tag deshalb auch etwas geschäftiger zu. Erst als wir nach einer gemütlichen Gipfelrast bei der Abfahrt am Adlerpass in Richtung Zermatt abbiegen, sind wir wieder allein. Nach unfahrbarem Bruchharsch lässt uns 200 Höhenmeter weiter unten feinster Firn jubelnd talwärts wedeln. Mit der Gornergratbahn geht es dann ins Zentrum von Zermatt und von dort per Seilbahn zur höchsten Station der Alpen, aufs Klein Matterhorn.

Von hier ist es nur ein kurzer Abstecher aufs Breithorn und wenig später auf den Pollux. Beide Gipfel lassen wir uns nicht entgehen. Es folgt eine der spektakulärsten und eindrucksvollsten Abfahrten der Alpen über das Schwarztor durch die wilden Gletscherbrüche des Schwärzegletschers hinunter auf die Ausläufer des Gornergletschers. Am Ende stehen wir hunderte Meter unterhalb der Moränenkante, in einem gewaltigen Tal, das der Rückzug der Eismassen seit dem Höchststand Ende des 19. Jahrhunderts hinterlassen hat. Wir sind froh, dass es trotz des Klimawandels immer noch genug gewaltige Eismassen gibt, die sich in mehreren Seitenströmen durch das Massiv schlängeln und uns den anstehenden Gegenanstieg zur Monte Rosa Hütte mit sehenswerten Formationen versüßen.

Am nächsten Morgen, an dem mit der Dufourspitze unser höchster Gipfel auf dem Programm stehen sollte, verlässt uns kurzzeitig das Wetterglück. Kilian, der Wirt auf der Monte Rosa Hütte, macht uns Mut: „Das Wetter kommt aus Westen, da wird es hier meist nicht so schlecht.“ Wir sind trotzdem die einzigen, die aufbrechen. Einige Stunden später stehen wir knapp unterhalb des Skidepots am Sattel. Zunächst sehen wir nichts, doch nach einer kurzen Wartezeit lichtet sich der Nebel etwas. Wir finden den Einstieg in den Gipfelgrat und stehen etwas später auf dem höchsten Punkt der Schweiz. Auf der Abfahrt müssen wir uns per GPS langsam in Richtung Hütte vorantasten. Für den letzten Tag ist wieder bestes Wetter angekündigt.

Über das Monte Rosa Massiv geht es auf die italienische Seite bis Stafal – eine Überquerung, die ohne Spur und Sicht sehr unangenehm wäre. So ist es aber der krönende Abschluss unserer Woche. Als wir wieder im Zug sitzen, lassen wir die Tage Revue passieren und blicken auf einen genialen Saisonabschluss zurück.

High Five
© Andreas Brunner
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Fahrer: Markus Planer

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