Iran · Tarik Darreh (Zagros Mountains)
Iran Snowmads
Ausgabe 2016 · Text: Fabian Lentsch · Fotos: Jeremy Bernard · 5 min Lesezeit

Das Ganze begann mit dem verrückten Trip des Scott-Teamriders Fabian Lentsch, der im Sommer 2013 ein normales Wohnmobil von Österreich nach Kirgistan und zurück fuhr. Als er damit durch die …
Das Ganze begann mit dem verrückten Trip des Scott-Teamriders Fabian Lentsch, der im Sommer 2013 ein normales Wohnmobil von Österreich nach Kirgistan und zurück fuhr. Als er damit durch die unterschiedlichen Landschaften reiste, konnte Fabian an nichts anderes denken, als dort einmal Ski zu fahren. Aber er wusste auch, dass er dafür ein deutlich besser geeignetes fahrbares Untersatz bräuchte. Also speicherte er zunächst die Idee ab, das perfekte Expeditionsmobil zu bauen, und wartete dann auf den richtigen Zeitpunkt, um anzufangen. Als er schließlich im Winter mit seinem guten Freund Markus Moggä Ascher in dessen gerade fertig gewordenem Allrad-Expeditionsvan unterwegs war, konnte er nicht mehr länger warten.
Anfang 2015 nahmen beide die Sache in die Hand – und wussten nicht, worauf sie sich einließen. Kurz gesagt, der Fahrzeugbau dauerte acht Monate, mit einem ständigen Auf und Ab und vielen Geld- und Zeitproblemen – eine üble Kombination. Während der Arbeit kam die Idee auf, ein paar der besten Freeskier auf die Reise einzuladen. Auch ein Name für die Crew stand schnell fest: die „Snowmads“. Am 5. Januar 2016 war die letzte Schraube festgedreht, und ohne große Umschweife gingen die Snowmads auf ihre Reise in Richtung Osten. Neben der Türkei, Armenien und Georgien war der Iran ein echtes Highlight. Dort stießen Jochen Mesle und Leo Slemett zu der Truppe.
IRAN – welch wunderschönes, facettenreiches Land, mit einer eindrucksvollen Kultur und den offensten und interessiertesten Menschen, die ich bisher getroffen habe – eine Reise, die den Horizont enorm erweitert, da alle Erlebnisse und die Kultur einfach nur eindrucksvoll sind. 10 Uhr abends, müde, endlich aus dem Flughafen heraus und keine Ahnung, wo wir lang sollten... Die Sonne ging gerade auf und wir fuhren zu einem kleinen Skigebiet namens Tarik Darreh, etwas 330 Kilometer westlich von Teheran. Dort empfing uns Techno-Musik, die aus jedem Lautsprecher der Liftstation dröhnte.
Bei frühlingshaften Schneeverhältnissen und großartigen Ausblicken – die Wüste auf der einen und die Berge der Zargos-Gruppe auf der anderen Seite – genossen wir ein paar kurze Abfahrten. Während der Mittagspause bemerkten wir, dass uns eine Familie beobachtete. Freundlich luden sie uns ein, mit ihnen in ihrem Haus in Hamadan zu Abend zu essen. Nur wenige Stunden später genossen wir das Nationalgericht des Iran, Chelow Kebab (Fleischspieße auf Reis), im mit selbst gefertigter Kunst und Familienfotos geschmückten Heim der Familie. Unglaublich, wie schnell man im Iran Freundschaften aufbauen kann – noch vor sechs Stunden kannte man sich nicht, jetzt verabschiedeten wir uns, als wären wir Verwandte. Unsere drei Wochen in der Gegend fingen gut an.
Aber leider verflog unser Enthusiasmus bereits nach kurzer Zeit, denn abgesehen von einigen der stärksten Stürme, die ich je erlebt habe, wurden wir auch von „Umwelthütern“ angehalten. Da es Winter war und wir keine Genehmigung hatten, verwehrten sie uns den Zugang zu einem der besten Spots an einem See mit großartigen Linien. Dort hatten wir als Höhepunkt unserer Reise ein paar Tage verbringen wollen. Auch wurden wir fast täglich von der Polizei herausgezogen, bemerkten aber schnell, dass wir nichts falsch machten, sondern die Beamten einfach unseren Truck sehen und sich mit uns unterhalten wollten. 4 Uhr morgens. Der Wecker klingelt.
Nach einer Woche mit vielen Rückschlägen konnten wir endlich eine erste Tour in der Chelgerd-Region machen, etwa 200 Kilometer westlich von Isfahan im Zentraliran. Mit 25 Kilogramm auf dem Rücken begannen wir bei Sonnenaufgang mit dem Aufstieg. Nach fünf anstrengenden Stunden bauten wir in eindrucksvoller Bergkulisse unser Camp auf. Es hatte eine Weile nicht geschneit, aber in der Gegend gab es Dank der Höhenlage einige gute Linien, und mit dem weichen Schnee konnten wir sogar ein paar Kicker bauen – meine liebste Kombination. Nachdem wir erfolglos versucht hatten, dem Wind zu entkommen, um einige echte Linien zu fahren, beschlossen wir, soweit südlich wie möglich zu reisen, und kamen am Nordufer der Persischen Golfs an.
Wir wollten uns die Insel Qeschm näher ansehen – eine Insel mit sonnenverwöhnten Schluchten, Bergen und Tälern. Aus dem eigentlich auf drei Stunden angesetzten Ausflug wurden meine absoluten Lieblingstage der ganzen Reise. Es hatte über 30 Grad Celsius, und wir ließen es uns auf dem Dach des Snowmads-Trucks sitzend gut gehen, während wir menschenleere Offroad-Pisten entlangfuhren – wir fühlten uns wie Cowboys beim Bullenreiten. Von unserem perfekten Aussichtspunkt blickten wir in die atemberaubende Landschaft, die ein wenig so aussah, wie ich mir den Mars vorstelle. Wir entdeckten einige Hänge, die an Rinnen in Alaska erinnerten – mit dem Unterschied, dass sie aus Sand und nicht aus Pulverschnee bestanden.
Wir mussten einfach versuchen, sie zu fahren! Wie immer war unser „Team Useless“ unfähig, alles schnell zu organisieren, und der Sonnenuntergang im „Tal der Sterne“ – dem Tal der Sanddünen, die wir fahren wollten – stand unmittelbar bevor. Eigentlich wollten wir uns Zeit lassen und die Linien im unteren Teil einer Sandrinne checken, aber dort konnte man kaum die Ski anschnallen. Also änderten wir kurz vor Sonnenuntergang unseren Plan und schafften es irgendwie auf die Spitze der Düne. Der einzige Weg zurück zum Auto war auf Ski durch die doch etwas heftige Sandrinne. Schnick-schnack-schnuck – und Fabi musste als erster fahren. Schon lange hatte ich ihn nicht mehr so nervös gesehen, aber er fand natürlich wie immer eine perfekte Linie nach unten.
Dort angekommen rief er uns als erstes zu: „Juuuuungs, passt auf, das Ding ist echt sketchy!“ Genau die Motivation, die wir in dem Moment brauchten! Unserem erfolgreichen Experiment folgte ein wunderbarer Abend mit einem schmackhaften Barbecue unter den Sternen. Schon bald würde ich auf meinem Weg zurück nach Teheran sein und in den Erinnerungen an meine Zeit mit den Snowmads schwelgen. Eines jener Abenteuer, das ich sicher nie vergessen werde.





Fahrer: Fabian Lentsch, Jochen Mesle, Leo Slemett


