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Iran · Zagros Mountains (Chelgerd)

Riding on the Wings of my Skis

Ausgabe 2019 · Text: Mohammad Hajabolfath · Fotos: Anton Brey · 5 min Lesezeit

Riding on the Wings of my Skis

Es ist 20 Uhr, Ende Januar. Vor einer Stunde passierten wir die letzte Siedlung. Die Straße schlängelt sich durch die Dunkelheit, während der Schneefall zunimmt. Ein Teil der Straße ist geräumt, aber …

Es ist 20 Uhr, Ende Januar. Vor einer Stunde passierten wir die letzte Siedlung. Die Straße schlängelt sich durch die Dunkelheit, während der Schneefall zunimmt. Ein Teil der Straße ist geräumt, aber sie ist nicht breit genug für zwei Fahrzeuge. Das Thermometer zeigt -13 Grad Celsius. Gelegentlich taucht aus der Dunkelheit ein Verkehrsschild auf, auf dem Namen von Dörfern wie „Dimeh“, „Niakan“ oder „Qaleh-Tak“ geschrieben stehen. Mir erscheint alles wie die Eröffnungsszene eines Films. Nach langer Fahrt erreichen wir schließlich unser Ziel. Am nächsten Morgen krieche ich aus meinem Schlafsack. Der Himmel ist blau, überall weiße Berge, erste Sonnenstrahlen berühren die Gipfel.

Ich bin in Chelgerd, einer kleinen Stadt 2.000 Meter über dem Meeresspiegel am Fuße des Zardkuh-Massivs in den Zagros-Bergen. Ich bin im Westiran! Als Skitourenführer werde ich oft gefragt: „Kann man in Persien Skifahren?“ Sofort wollen alle mehr über die Geographie des Iran wissen, der für seine Wüstenkarawanen über die alte Seidenstraße bekannt ist. Es ist nicht verwunderlich, dass das allgemeine Wissen über die Geographie des Landes schlecht ist, da sich die meisten Medien mehr auf die politischen Themen der islamischen Republik im Nahen Osten konzentrieren. Revolution, Krieg, Menschenrechtsverletzungen, Sanktionen, Kernenergie oder Wirtschaftskrise sind für die Medien einfach attraktiver als Skifahren oder Berge.

Zugegeben, der Iran hat all das in den letzten Jahrzehnten erlebt, aber dieses schöne Land hat so viel mehr zu bieten! Der Iran erstreckt sich über eine Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern und ist damit fünfmal so groß wie Deutschland. Mehr als 50 % des Landes sind von Bergen bedeckt. Es gibt ausgedehntes Hochland in den Alborz-Bergen im Norden und im Zagros-Gebirge im Westen, während einige andere Teilgebirge und Massive um die beiden großen persischen Wüsten zu finden sind. Neben dem über 5.000 Meter hohen Vulkan Damavand befinden sich in den Gebirgen von Zagros und Alborz viele Drei- und Viertausender, von denen die meisten im Winter verschneit sind. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass viele noch nie mit Skiern befahren wurden.

Grund genug, um ein Flugticket zu kaufen und auf Erkundung zu gehen. Davor muss man sich jedoch den Fragen seiner Freunde und Familienmitglieder stellen, die nicht unbedingt verstehen, warum man in den Iran reisen möchte. Der Iran ist ein Land großer kultureller Vielfalt. Man sollte ohne Vorurteile hinreisen und offen für alles sein. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass einige der Menschen, die vorher an der Wahl des Reiseziels gezweifelt hatten, beim nächsten Mal mitkommen wollen. Alles, was man dafür tun muss, ist ihnen Fotos zu zeigen und das Erlebte zu erzählen. Das ist mit vielen meiner Freunde passiert. Recherchiert man die „Must-go“-Ziele im Iran, dann stolpert man auf jeden Fall irgendwann über die Stadt Isfahan.

Fährt man von hier nach Westen, zeigt sich nach etwa drei Stunden eine Bergkette am Horizont. Das ist Zardkuh, wörtlich übersetzt „Gelber Berg“. Die Kette ist einer der höchsten und bedeutendsten Teilbereiche des zentralen Zagros-Gebirges. Im Hauptgebirge von Zardkuh gibt es ein paar Gipfel über 4.000 Meter, die jedes Jahr viel Schnee abbekommen. Die großen Flüsse Zayandehrud und Karun, die durch das Zentrum und den Südwesten des Iran fließen, entspringen dort. Zardkuh liegt in der Provinz Chahar Mahal-e Bakhtiari, der Heimat des berühmten Bachtiari-Stammes. Sie sind unglaublich gastfreundlich, stolz auf ihre Kultur und leben als Nomaden.

Die Mitglieder des Stammes ziehen nach wie vor von ihrem Winterquartier an den Südhängen des Zagrosgebirges zu ihrem Sommerquartier an der Nordseite. Dadurch ist Chelgerd im Winter so gut wie verlassen. Auch wenn es ein Skigebiet gibt, ist der Tourismus nicht allzu ausgeprägt, da die Anlagen alt sind und die Infrastruktur zu wünschen übrig lässt. In der Nacht, in der wir in Chelgerd ankommen, sind erwartungsgemäß keine anderen ausländischen Besucher zu sehen. Am nächsten Morgen steigen wir auf den Gipfel eines kleinen Berges oberhalb der Skipisten. Eine halbe Stunde später erreichen wir den Gipfel und genießen einen herrlichen Panoramablick auf die gesamte Bergwelt. Unzählige Gipfel und Couloirs warten darauf, erkundet zu werden.

Wir fahren auf der Rückseite des Berges ab und überqueren einen Fluss an einem Stausee. Auf der anderen Seite fellen wir wieder auf und nehmen einen der höheren Gipfel in Angriff. Drei Stunden später haben wir den langen, steilen Hang besiegt und sehen eine kleine, orangefarbene Hütte am Rand eines kleinen Plateaus. Trotz zerbrochener Fenster bietet sie uns einen gewissen Schutz vor dem kalten Wind. Nach etwas heißem Tee machen wir uns wieder auf den Weg. Je höher wir kommen, desto stärker wird der Wind und entsprechend langsamer unser Tempo. Als der Schnee schließlich eisig wird, beschließen wir, unsere Skisteigeisen zu benutzen, um besser voranzukommen. Auf rund 3.800 Metern erreichen wir schließlich unseren ersten großen Gipfel.

Die Landschaft ist atemberaubend. Wir können den größten Teil des Zardkuh-Gebirges und seine 4.000 Meter hohen Gipfel sehen – von der schönen Pyramide des Haft-Tananan im Norden bis zum Gipfel des Kolunchi, unweit südlich von uns. Wir sind völlig alleine; es gibt keine Spuren von anderen Skifahrern. Die bittere Kälte zwingt uns, schnell in den Downhill-Modus zu wechseln. Es ist an der Zeit, etwas Spaß in den Zagros Bergen zu haben! Das Nachmittagslicht verstärkt die Kontraste, während wir ins Tal fahren. Ein Glücksgefühl strömt durch meine Adern und erfüllt jede einzelne Zelle meines Körpers. Das Adrenalin wärmt meine Wangen, die noch vor einer halben Stunde durch den kalten Wind fast erfroren sind.

Als wir uns dem Ende der Abfahrt nähern, fühle ich mich frisch und leicht. Ein paar Minuten später schwingen wir ab und ich sehe zurück zum Berg hinauf. Mein Körper mag hier unten sein, aber mein Herz ist auf dem Gipfel geblieben.

Riding on the Wings of my Skis
© Anton Brey
Riding on the Wings of my Skis
© Anton Brey
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© Anton Brey
Riding on the Wings of my Skis
© Anton Brey
Riding on the Wings of my Skis
© Anton Brey

Fahrer: Muhammad Hajabolfath, Marco Zaffiri, Tamara Why

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