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USA · Lake Tahoe (Sierra Nevada)

Local Blessing

Ausgabe 2022 · Text: Julie Brown · Fotos: Ming Poon · 4 min Lesezeit

Local Blessing

Meine Lungen pumpen kalte Winterluft, während ich der Spur durch die schneebedeckten Bäume folge. Es ist ein magischer, windstiller Morgen. Ich habe das Gefühl, im Schlaraffenland zu sein. Irgendwo hinter den graublauen Wolken geht auf der anderen Seite des Sees die Sonne auf.…

Meine Lungen pumpen kalte Winterluft, während ich der Spur durch die schneebedeckten Bäume folge. Es ist ein magischer, windstiller Morgen. Ich habe das Gefühl, im Schlaraffenland zu sein. Irgendwo hinter den graublauen Wolken geht auf der anderen Seite des Sees die Sonne auf. Es ist Februar am Lake Tahoe, mitten im seltsamsten Winter, den ich hier je erlebt habe. Wir haben wochenlang auf Schnee gewartet. Als meine Freunde in schneereichere Gegenden flohen, blieb ich dennoch zu Hause. Und das Glücksspiel hat sich gelohnt. Jetzt war er gekommen, der perfekte, bodenlose, leichte Schnee. Champagne Powder, wie manche es nennen. Wenn die Leute sagen, in der Sierra gäbe es nur Zement, denke ich an Tage wie diesen und lache.

Manche sagen, der letzte Winter in Tahoe sei wie ein Pendel gewesen, das zwischen den Extremen schwingt. Oktober: Ein Sturm bringt 1,2 Meter Schnee. November: Null. Dezember: Tahoe wird innerhalb einer Woche unter 5,5 Meter begraben. Der Dezembersturm brach einen 51 Jahre alten Schneerekord am Donner Summit. So sieht der Klimawandel aus. Wir erleben ihn – nicht 2030 oder 2050, sondern jetzt. Ich habe gelernt, zu nehmen, was da ist, zu warten, bis es soweit ist. Denn die Natur ist unberechenbar. Man weiß nie, was morgen kommt. Der Dezember war verrückt. Wir hatten so viel Schnee, dass die Leute nicht mehr aus ihren Einfahrten kamen. Die Schneepflüge arbeiteten rund um die Uhr.

Gefrorene Bäume stürzten um und rissen Stromleitungen mit, so dass wir tagelang im Kerzenschein saßen. Irgendwann waren fast alle Straßen in und aus dem Basin gesperrt, der Lake Tahoe wurde zur eingeschneiten Insel. Die Skigebiete konnten nicht öffnen. Die meisten Menschen befanden sich im Überlebensmodus. Aber für mich und eine kleine Gruppe von Backcountry-Enthusiasten war es das Paradies. Dann hörte es auf, einfach so. Nicht einmal ein Flöckchen konnte die Hochdruckwand durchdringen, die uns im Griff hatte. Nach dem schneereichsten Dezember aller Zeiten war der Januar der trockenste. Wir fuhren an den Strand. Oder feierten die letzten Firnhänge, die es noch gab.

In den schwersten Zeiten zeigen die Menschen ihr wahres Gesicht, wenn es um die Heimat geht. Profisportler und Skiverrückte zog es gleichermaßen an andere Orte. Ich wählte die Nummern auf meiner Kontaktliste: Cody, Jeremy, Daron, Michelle, Nick, Elyse, Connery, Amie. Sie waren alle unterwegs. Diejenigen, die zu Hause blieben, hatten Familie und normale Jobs. So wie Brennan Lagasse. Er ist nicht der Skistar, für den Tahoe bekannt ist, aber er fährt wahrscheinlich mehr Ski als die meisten professionellen Skifahrer und bringt gleichzeitig Arbeit und Familie unter einen Hut. Mein Freund Drew Petersen war ebenfalls zu Hause geblieben. Erst vor kurzem hierher gezogen, war er heiß, sein neues Heimatgebiet zu erkunden.

Für Skifahrer ist es einfach geworden zu reisen. Mit dem Ikon oder Epic Pass in der Tasche kann man ohne übermäßigen Aufwand dem Powder hinterherjagen. Manchmal zahlt sich das Reisen sicherlich aus – wenn man das richtige Timing erwischt. Doch der Winter ist unberechenbar, nicht nur in Tahoe. Und die Jagd nach dem weißen Gold fühlt sich oft wie eine Sisyphosarbeit an. Ich habe gelernt, dass es manchmal besser ist, an Ort und Stelle zu bleiben, die Schneeverhältnisse in den Hausbergen zu studieren und darauf zu vertrauen, dass der Schnee kommt. „Versteht mich nicht falsch – zu reisen ist großartig und ich würde es gegen nichts tauschen wollen“, sagte Drew.

„Aber ich bin letztes Jahr hergezogen in der Hoffnung, in einem waschechten Skigebiet Heimatgefühle, Zugehörigkeit zu entwickeln. Ich will die Berge kennenlernen, Freunde finden, mich mit den Leuten vernetzen und natürlich die legendären Linien fahren, für die Tahoe bekannt ist.“ Unsere Geduld zahlte sich aus, als Ende Februar endlich ein Schneesturm kam. Brennan, Drew und ich waren der Fels in der Brandung, entschlossen und bereit, trotz dieser durchwachsenen, herausfordernden Saison endlich loszulegen. Wir fellten noch vor Sonnenaufgang auf, damit wir uns am kalten Tiefschnee satt fahren könnten, bevor Brennan wieder zur Arbeit musste. Wir waren so ausgehungert, dass wir jede Minute nutzten. Die Wolken blieben dicht.

Trotzdem passte alles, auch für die Fotos, denn man muss nur offen bleiben für das, was uns die Natur geben möchte. Eine Kunst, die wir alle lernen müssen. Als alle anderen den Lake Tahoe schon aufgegeben hatten, erlebten wir einen Schneesegen, an den wir uns für den Rest unseres Lebens erinnern werden. „Diese Tiefschneetage sind nicht nur die Tage, von denen wir träumen,“ sagte Drew. „Das sind die Tage, um die wir unser gesamtes Leben herum planen.“

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© Ming Poon
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Fahrer: Drew Petersen

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