BACKLINE Magazin
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Kanada · B.C. Coast Mountain

Mad Dog Ridge

Ausgabe 2014 · Text: Adam Clark · Fotos: Adam Clark · 5 min Lesezeit

Mad Dog Ridge

Den richtigen Ort für ein Backcountry-Camp zu finden, kann eine der schwereren Aufgaben im Leben sein. Es gibt unendliche Möglichkeiten auf unserem Planeten. Warum also würde Chris Davenport einen …

Den richtigen Ort für ein Backcountry-Camp zu finden, kann eine der schwereren Aufgaben im Leben sein. Es gibt unendliche Möglichkeiten auf unserem Planeten. Warum also würde Chris Davenport einen Ort wählen, an dem andere vor ihm waren? Er selbst mit eingeschlossen? Erst Anfang 2000 entdeckte die Skiszene Bella Coola, als mit Helikopter-Hilfe ein Film gedreht wurde. Andere waren vorher dort, aber erst dieser Film machte den Ort bekannt. Davenport war dabei und erkannte das unendliche Potential der B.C. Coast Range. Weitere Fahrer, die die Couloirs um den Mad Dog Col für Filmaufnahmen befuhren, waren etwa Seth Morrison und Wendy Fisher. Seitdem haben viele Filmcrews und Skifahrer den Mad Dog Col als Ziel fürs Campen und Heliskiing ausgesucht.

Im März beschlossen Chris Davenport, Griffin Post, die Filmer Chris Christie und Cameron Sylvestor und ich, einige Zeit am Mad Dog Col zu verbringen. Wir wollten campen und so viel wie möglich Ski fahren. Der Gebirgspass Mad Dog Col liegt auf 1.830 Metern, nur wenige Kilometer entfernt vom kleinen, idyllischen Ort Bella Coola im Norden von British Columbia in Kanada. Der ideale Ort für ein Basecamp ist umrahmt von zwei riesigen Felsgipfeln inmitten der beeindruckenden B.C. Coast Range. Um den Pass reihen sich Berge und Gletscher wie Seiten in einem Buch aneinander. Steht man oben auf dem Pass, überwältigen einen die unendlichen Möglichkeiten der Umgebung.

Wir packten eine Wagenladung Ausrüstung zusammen und machten uns während eines kurzen Wetterfensters, zwischen Sturm, Regen und Schnee, auf den Weg zum sichelförmigen, mit Felsbrocken übersäten Mad Dog Col. Dort schlugen wir unser großes Küchenzelt auf, bevor der Wind von wirklich windig auf „ich glaube, jetzt werden wir gleich vom Pass geblasen“ wechselte. Der Sturm entwickelte sich so heftig, dass wir Angst bekamen. Ebenso schnell, wie wir Ausrüstung in das Zelt schaffen konnten, wurde das noch im Freien liegende Gepäck unter tiefen Schneewehen begraben.

Da wir das Glück hatten, per Heli zum Basecamp gebracht zu werden, planten wir ein Erster-Klasse-Camping: ein großes Küchenkuppelzelt, ein Kuppelzelt zum Schlafen und zwei kleinere Zelte für die Filmcrew. Wir fünf versuchten, das zweite Kuppelzelt aufzuschlagen, aber die Stangen bogen sich und einige brachen. Schnell beschlossen wir, im Küchenzelt zu schlafen. Den Filmern gelang es, ihre kleineren Zelte aufzubauen, sie mussten diese aber alle paar Stunden mühsam frei schaufeln. Den ersten Tag verbrachten wir damit, zu entspannen und Witze über den Wind zu machen. Am vierten Tag sagte keiner mehr ein Wort, aber es war zu spüren, dass die Stimmung langsam eskalierte.

Nach unzähligen Stories, 24 Quesadillas, drei Flaschen Scotch, acht Funksprüchen zur Wetterstation, einem Versuch, weiter als 30 Meter vom Camp wegzukommen und unzähligen Mengen Schnee, die wir zu Kaffeewasser schmolzen, konnten wir uns plötzlich ohne Geschrei unterhalten. Draußen schien das Wetter wieder normal zu sein. Zwar flogen uns Schneebrocken um die Ohren, aber es war relativ normaler Wind. Wir konnten unsere Skistiefel anziehen. Und das hieß, dass wir endlich aus einem anderen Grund hier waren, als den besten Zeltkaffee der Welt zu kochen. Obwohl nach wie vor Wolken über den Bergen hingen, beschlossen wir, das nahe gelegene Terrain und den Schnee näher zu erkunden.

Die Schneedecke schien für die Region ungewöhnlich schlecht, und die drohende Lawinengefahr war unser nächstes Hauptanliegen. Über einen kurzen Hang 30 Meter unterhalb des Camps kamen wir ins untere Tal, in dem die meisten Abfahrten zusammenliefen. Wir gruben Schneeprofile und testeten die Schneedecke. Unsere vorläufige Diagnose: Der Schnee war gut. Pulver mit windverblasenen Bereichen, zum Großteil aber ideal. Vorsichtig stiegen wir durch das Tal zu einem zwei Meter breiten, steileren Hang. Jetzt konnten wir mit dem beginnen, wofür wir hergekommen waren. Während ich Chris und Griffin bei der Einfahrt in den Hang fotografierte, realisierte ich, dass ich heute auch noch zum Skifahren kommen würde.

Ein Traum würde wahr werden: Skifahren in einer Traumlocation, wo die Besten der Welt schon gefahren waren! Als wir später ins Camp zurück kamen, sah man uns die Erleichterung an. Dieses Mal konnten wir den Scotch mit gutem Grund genießen. Die kommenden drei Tage verbrachte ich mit Aufsteigen, Essen, Sonnencreme und Fotografieren. Man konnte Chris' und Griffins Begeisterung daran messen, dass sie kein Wort über Anfang und Ende des Skitages verloren. Es war ganz einfach: den ganzen Tag Ski fahren. Die Sonne schien, die Lawinengefahr war gering und wir waren am perfekten Ort. Vielleicht lag es an der aufgestauten Energie der vier Wartetage im Zelt oder an den unendlichen Möglichkeiten: so viel war ich noch nie aufgestiegen.

Die Wahl der Abfahrten am ersten sonnigen Tag fiel nicht schwer. Die berühmtesten Linien mussten abgehakt werden. Ein gigantisches 500-Meter-Couloir am Mad-Dog-Turm. Seitlich verliefen Felswände, direkt darüber thronte ein riesiger Monolithturm. Und darin lag perfekter Powder: Die Sonne hatte die dünne Eisschicht gerade so weit aufgewärmt, dass sich die Schwünge wie durch Watte anfühlten. Griffin fuhr als erster los und machte auf den 500 Metern gerade einmal acht Schwünge. Chris und Griffin hakten so viele Linien wie möglich ab, bevor es dunkel wurde. Steil und eng, breit und schnell, mit gesprungenen Schwüngen oder weiten Turns. Lange Rinnen und Powderhänge machten das Erlebnis perfekt, und das immer in Sichtweite des Camps.

Trotz ihres Einsatzes konnten Chris und Griffin nicht alle Linien fahren. Wir ließen sie für die nächsten Abenteurer unberührt. Nach vier miserablen Tagen im Zelt und drei Tagen traumhafter Skierlebnisse wurde uns bewusst, dass dieser Punkt auf der Landkarte ein wahrlich spezieller Ort ist. Ein Ort, an dem Fels, Schnee, Gipfel und Täler perfekt zusammenwirken und ein echtes Skiparadies bilden. Die perfekte Balance aus Distanz und Höhenmetern, umgeben von einnehmender Bergschönheit. Die Mad Dog Ridge verdient es einfach, immer wieder neu entdeckt zu werden.

Mad Dog Ridge
© Adam Clark
Mad Dog Ridge
© Adam Clark
Mad Dog Ridge
© Adam Clark
Mad Dog Ridge
© Adam Clark
Mad Dog Ridge
© Adam Clark

Fahrer: Chris Davenport, Griffin Post

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