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USA · Olympic Mountains

Mt. Anderson and The Three Magellan’s

Ausgabe 2020 · Text: Jason Hummel · Fotos: Jason Hummel · 4 min Lesezeit

Mt. Anderson and The Three Magellan’s

1890, während der Erstbesteigung des Anderson Glacier, tief im Olympic Nationalpark des Bundesstaates Washington gelegen, postulierte der Gefreite Harry Fischer: „...niemals wird je ein Mensch …

1890, während der Erstbesteigung des Anderson Glacier, tief im Olympic Nationalpark des Bundesstaates Washington gelegen, postulierte der Gefreite Harry Fischer: „...niemals wird je ein Mensch erfahren, wie tief Schnee und Eis hier liegen.“ Heute befinden sich an Stelle des einst aktiven Gletschers nur noch vereinzelte eisige Überreste. Darunter liegen Felsblöcke und ein fast einen Kilometer langer Endmoränensee. Ende April letzten Jahres planten Jake Chartier, Carl Simpson und ich, die Gletscher rund um den Mt. Anderson in Angriff zu nehmen, ein paar Tage auf den Spuren unserer Vorfahren zu wandeln und in dieser unglaublichen Landschaft Ski zu fahren.

25 Kilometer Grün verwandelten sich in gedämpfte Gelb- und Brauntöne, als wir höhere Lagen erreichten, in denen der Schnee erst vor kurzem geschmolzen war. In seinem Schmelzwasser hinterließ er Lachsbeeren und Farne, Geröll, Nadelbäume und rutschige Felsen. Irgendwo hier begann Jake zu erzählen: „So Leute wie euch,“ sagte er, „nannten wir früher Magellane – nach dem Kapitän des ersten Schiffes, das die Welt umsegelte. Sie finden immer einen besseren Weg als ihr Anführer.“ Eine subtile Art, dem Anführer zu unterstellen, er sei inkompetent. Darauf anspielend, dass ich mir hier oben meinen eigenen Weg suchte, warf mir Jake mit einem fetten New Yorker Akzent witzelnd entgegen: „Seht, er ist ein verdammter Magellan!“

Wir schlugen unser erstes Nachtlager am Anderson Pass auf. Als wir schlafen gingen, prasselte harter Schnee gegen die Zeltwände. Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zum White Glacier und zur 40 bis 50 Grad steilen Nordseite des White Mountain. Der Schnee war gut zum Klettern geeignet, aber wir zweifelten, ob man hier abfahren könnte. Die Zweifel nahmen zu, als wir die Gipfelpyramide erreichten. Der letzte zehn Meter hohe Schneezacken schien jedoch befahrbar zu sein. Die Abfahrt über das Steilstück erwies sich als mühsam, aber wir fanden den Weg vom White Glacier zurück zum Anderson Pass. Da ich die nächsten Tage Ziele rund um den Mt.

Anderson im Auge hatte, überzeugte ich die anderen, das Lager auf eine 1.585 Meter hohe Moräne nahe des ehemaligen Anderson Glacier und des neu entstandenen Valkyrie Lake zu verlegen. Am nächsten Tag umrundeten wir den Mt. Anderson, um den Hanging Glacier auf unserer Liste abzuhaken. Nachdem wir um den Berg gestiegen waren, ging es zu einem Sattel hinauf, von dem wir auf etwa 1.350 Meter hinabfuhren. Am Fuße des Gletschers pausierten wir auf einigen schneefreien Felsen. Wir sonnten uns wie Walrosse und waren zufrieden. Am Abend verschönerte das Alpenglühen die Nordhänge des Lacrosse. Sobald die Sonne hinter den Bergen unterging, wurde es eiskalt.

Einen Tag später machte ich mich alleine auf den Weg zum Linsley Glacier, der recht flach und fast so breit wie lang ist (650x800 Meter). Ich jagte den Wolkenschatten über perfekten Firn hinterher und genoss die Abfahrt, die mich an eine steile Felswand brachte. Dann stieg ich bis zum Rand eines Couloirs auf rund 1.700 Metern ab, machte Rast und sah den Wolken zu. Aus der Tiefe des Enchanted Valley waren Bäche zu hören, gedämpft durch die endlosen Wälder. 1928 benannte Fred Cleator das Tal und beschrieb es: „Hunderte von kleinen Wasserfällen... schießen, tröpfeln, rauschen oder ergießen sich über die Felsen, ergeben ein landschaftliches Meisterwerk...“ Welch einzigartiges Erlebnis, allein am Rand des Linsley Glacier zu stehen.

Kaum jemand verirrt sich jemals hierher. Der Gefreite Harry Fischer und sein Partner waren 1890 während ihres Versuches, den Mt. Anderson im Jahr zu besteigen, hier gewesen, konnten jedoch die Felsen nicht überwinden und drehten um. Stunden später stieß ich am Fuße des Eel Glacier wieder auf meine Freunde und wir bestiegen die Nordwestwand des Mt. Anderson – 2.234 Meter. Auf den letzten hundert Metern brauchten wir Steigeisen. Der anschließende eisige Abstieg war nervenaufreibend, aber irgendwie fanden wir einen Weg nach unten und kehrten zum Flypaper Pass zurück, als die Sonne bereits unterging. Noch hatte sich kein Harschdeckel gebildet. Wir traversierten kurz und wagten die Abfahrt. Keine Fotos oder Pausen. Nur hinunter.

Es waren die besten Schwünge unserer Tour. Wir erreichten das Ufer des Valkyrie Lake und stießen mit frischem Seewasser auf den großartigen Tag an, als wäre es frisch gezapftes Bier in der Stammkneipe nach einem langen Arbeitstag. Am letzten Tag ging es Bärenspuren folgend vom Anderson Pass bis zu den tiefer gelegenen Weideflächen. Auf einem finalem Höllenritt folgten wir einem Wildbach auf einem dünnen Schneeband, bis wir schließlich abschnallen und laufen mussten. Zurück bei unseren Bikes versuchte ich, meine Ski am Rahmen zu befestigen. Daran war ich bereits bei der Herfahrt gescheitert, aber Idiotie ist in meinem Fall eine wiederkehrende Krankheit. Schließlich verzurrte ich sie am Rucksack.

Sie ragten einen Meter an der Seite hinaus, was das Risiko beinhaltete, dass ich irgendwo hängenbleiben und vom Drahtesel gerissen werden könnte. Die letzten Kilometer vergingen schnell. Ständig musste ich an die Entdecker der Olympic Mountains – damals wie heute – denken. Wie die Gipfel der Region sind und waren auch sie eigenwillig, bescheiden und abenteuerlustig. Die Berge schenken dir nichts, aber die Menschen wollen das auch nicht. Harry Fischer beschrieb dies so: „Keiner aus der Gruppe würde sich jemals beklagen. Dafür müssten die Beschwerlichkeiten,” so fügte er hinzu, „erst einmal jede bekannte Foltermethode übertreffen.“

Vielleicht sind wir ja wirklich, wie Jake anfangs behauptete, Magellane, aber ich möchte behaupten, dass wir uns am Ende immer gerne in den Olympic Mountains verlieren, egal, wer die Richtung vorgibt.

Mt. Anderson and The Three Magellan’s
© Jason Hummel
Mt. Anderson and The Three Magellan’s
© Jason Hummel
Mt. Anderson and The Three Magellan’s
© Jason Hummel
Mt. Anderson and The Three Magellan’s
© Jason Hummel
Mt. Anderson and The Three Magellan’s
© Jason Hummel

Fahrer: Jake Chartier, Carl Simpson

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