USA · Markagunt Plateau
The Badlands
Ausgabe 2012 · Text: Zach Crist · Fotos: Will Wissman · 4 min Lesezeit

Die Wüste im Südwesten der USA ist ein magischer Flecken Erde. Millionen von Jahren Erdhebung und Erosion haben hier einige der bizarrsten und großartigsten natürlichen Formationen unseres Planeten …
Die Wüste im Südwesten der USA ist ein magischer Flecken Erde. Millionen von Jahren Erdhebung und Erosion haben hier einige der bizarrsten und großartigsten natürlichen Formationen unseres Planeten geschaffen. Steile Schluchten, äußerst eindrucksvolle Klippen, Bögen und Spitzen sind die Überbleibsel dessen, was einst den Grund eines urzeitlichen Sees bildete. Der hier vorherrschende Sandstein enthält Eisen und Magnesium, was ihm orange-rötliche Farbtöne verleiht, die an einigen Stellen bis ins Violette schimmern. Zu jeder Jahreszeit ist diese Region eine Traumlandschaft; wenn aber im Winter die Höhenlagen mit Schnee bedeckt sind, wird die Wüste zum Freizeitparadies für jeden Backcountry-Skifahrer.
Nur wenige Menschen denken bei diesen – auch als „Badlands“ bekannten – hoch gelegenen Wüstenplateaus an gute Skibedingungen. Der Ablauf einer Skitour ist denn auch von Anfang an auf den Kopf gestellt: Man beginnt mit der Abfahrt und beendet die Tour mit dem Aufstieg. Dabei hat man den Eindruck, als würde man in ein Amphitheater hineinfahren, mit einem Labyrinth von Abfahrtsrouten, die alle irgendwie hinunterführen, wohlwissend, dass man anschließend auch einen Aufstiegsweg finden muss, der einen wieder aus diesem Irrgarten hinausführt. Dies ist ein ganz anderer und unter Umständen riskanterer Weg, sich in den Bergen zu bewegen.
Denn normalerweise wägt man das Risiko während des Aufstiegs ab und passt bei Bedarf die Aufstiegsroute bzw. die Abfahrtslinie an, wobei die Option umzukehren stets offen bleibt. Das warme Klima so weit im Süden bildet ein weiteres Merkmal, das gegen das skifahrerische Potenzial der Region zu sprechen scheint. Sie wird wegen ihrer intensiven jährlichen Niederschläge nicht als „Hochgebirgswüste“ bezeichnet. Gleichwohl reicht es manchmal schon aus, wenn der Jet-Stream in einem typischen El-Niño-Winter bis hierher dringt und Niederschlag mit sich bringt. Dann gibt es aufgrund der kalten Temperaturen in den Höhenlagen über 3.000 Meter Schnee statt Regen, während wiederum der 37.
Breitengrad an klaren Tagen für starke Sonneneinstrahlung sorgt, die den Schnee schnell wieder schmelzen lässt. Trotzdem hat man in einem guten Jahr und am richtigen Tag die Chance, das außergewöhnlichste Skierlebnis seines Lebens zu erfahren. Vorausgesetzt, man weiß, wo man suchen muss – die besten Schneeverhältnisse findet man meist in nördlicher Exposition. Ich war 13 Jahre alt, als ich das erste Mal mit der Schule eine Rucksacktour in das südliche Utah unternahm. Bis dahin war ich, aus Idaho kommend, nie südlicher als nach Salt Lake City gereist, um an Skirennen in den Wasatch Mountains teilzunehmen. Utah war für mich schon damals, genauso wie heute, bemerkenswert ungewöhnlich.
Und das nicht nur wegen des vom Großen Salzsee beeinflussten Wetters, das für ausgiebige Mengen von lockerem, trockenem Pulverschnee in den Skiresorts von Alta und Snowbird sorgt, sondern auch wegen der kulturellen Erfahrungen. Denn die Menschen in Utah und im Südwesten sind unglaublich freundlich und einladend, wenn auch nicht unumstritten. Als der Mormonenführer Brigham Young ab 1846 seine vertriebene Stammesgemeinschaft nach Westen führte und sie die Ebene des Großen Salzsees entdeckten, nahmen sie an, Zion (die hebräische Bezeichnung für Jerusalem) gefunden zu haben.
Sein Vorgänger Joe Smith, der Gründer der Church of Jesus Christ of Latter-day Saints (Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage = Mormonen), hatte sich für einen Visionär gehalten, der den frühen christlichen Glauben wiedererschaffen wollte, welcher im großen Glaubensabfall verlorengegangen war. Wenn auch seine Lehre ähnliche Elemente wie die Freimaurerei und die jüdische Kabbalah-Lehre enthielt, so wurde der selbsternannte Prophet oft wegen der von ihm praktizierten Polygamie kritisiert. Man schätzt, dass Smith an die 30 Frauen hatte, einem „göttlichen Gebot“ folgend, das er später allerdings relativieren sollte – vermutlich wegen der Kritik, die seiner Kirche aus diesem Grund entgegengebracht wurde.
Anhänger seiner Religion wurden jedenfalls fortgesetzt aus den frühen Siedlungen im Osten nach Westen vertrieben, bis sie sich dauerhaft in Utah niederlassen konnten. Obwohl die Polygamie in vielen Gemeinden des Südwestens, die einer fundamentaleren Ausprägung des Mormomentums folgen, immer noch eine übliche Lebensform darstellt, ist dies nicht die Ursache für den Namen „Badlands“. Vielmehr dachten die frühen Entdecker, dieses Gebiet hätte keinerlei Nutzwert. Es gab keine Bäume zum Ernten, keine wertvollen Mineralien zum Abbauen, sondern eben nur ein fantastisches Labyrinth aus Sandstein. Das aber sollte eines Tages zu einem der schönsten Spielplätze weltweit werden.
Für diejenigen, die den Besitz von viel Spielzeug dem Besitz von vielen Frauen vorziehen, sind die „Badlands“ ein wahres Schlaraffenland! Egal ob für Mountainbiker, Bergsteiger, Rafter, Kletterer oder sogar Skifahrer – es gibt keinen schöneren Platz für Outdoor-Abenteuer! Gute Skibedingungen mag es nicht jedes Jahr geben, vielleicht sogar nur in einem von zehn Wintern. Wenn es dann aber soweit ist, glaubt es mir, wünscht ihr Euch einen Freund vor Ort, der die Situation erfasst, Euch sofort anruft und Bescheid gibt. Der in Utah lebende Fotograf Will Wissman gab meinem Bruder im Februar 2010 Bescheid, und ich hatte das Glück, die beiden mit unserem Kumpel Lexi DuPont begleiten zu können.
Wir hoffen, dass ihr beim Betrachten der Fotos mindestens halb so viel Freude habt, wie wir sie hatten, als wir diese Bilder machten. Gott segne die „Badlands“ und die freundlichen Mormonen, die dieses Traumland in ihrem Hinterhof so bereitwillig teilen.





Fahrer: Ash Christensen, Lexi DuPont, Zach Crist



