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USA · Alaska Range (Denali)

The Smell of Adventure

Ausgabe 2023 · Text: Tiphaine Duperier · Fotos: Tiphaine Duperier · 4 min Lesezeit

The Smell of Adventure

Ich mag den Geruch von Flughäfen nicht. Trotzdem steht dieser Duft von Duty Free auch immer für Abenteuer. Als ich realisiere, dass ich gerade den Flughafen von Anchorage durchquere, freue ich mich …

Ich mag den Geruch von Flughäfen nicht. Trotzdem steht dieser Duft von Duty Free auch immer für Abenteuer. Als ich realisiere, dass ich gerade den Flughafen von Anchorage durchquere, freue ich mich. Hier hat es, wie Gary sagt, „viel Land, aber wenige Menschen“. Alaska ist nicht nur der am dünnsten besiedelte Staat der USA, es beherbergt auch den höchsten Gipfel Nordamerikas: Denali mit 6.190 Metern. In der Nähe des Polarkreises fühlt er sich höher an, als er topografisch ist. Und alle, die von dort zurückkommen, erzählen, dass es eiskalt war und ununterbrochen geschneit hat. Wie dem auch sei. Ich sitze in Garys Minibus, der uns nach Talkeetna bringt. Boris sitzt neben mir und hält Ausschau nach wilden Tieren.

Das Thema Wetter war schnell geklärt: Wir haben nur wenig Zeit vor Ort, und das Glück muss auf unserer Seite sein. Wir wollen die Cassin Ridge befahren, eine alpine Kletterroute mit wechselndem Gelände, die 1961 eröffnet wurde, benannt nach dem italienischen Bergsteiger Riccardo Cassin. Sie galt als bedeutende Erstbesteigung und „die letzte und wahrscheinlich schwierigste aller möglichen Routen am Denali“. Bis heute ist sie eine alpine Herausforderung. Eine Linie direkt durch die Südflanke des Denali. Die Ästhetik des Grats beeindruckt durch seine Größe. Die Route ist direkt.

Will man die Ski nicht abschnallen, sind außergewöhnliche Schneeverhältnisse nötig und man müsste alle Tricks anwenden, um über die beiden Felsbänder ins Japanese Couloir einzufahren. Ich hatte bereits vorher Zweifel an der Durchführbarkeit, und vor Ort wird mir klar: Es wird nicht klappen. Zu warm und zu trocken. Also müssen wir uns etwas anderes überlegen. Während wir vom Basislager zu Lager 1 aufsteigen, sehen wir eine machbare Linie, links von der Cassin Ridge. Sie durchquert die Südwestflanke oberhalb einer Eisturm-Barriere und führt zur West Rib. Von dort würden wir erst nach unten und schließlich durchs Chicken Couloir steigen. Insgesamt 4.000 Höhenmeter. 21. Mai. Ich bin an einen Transportschlitten gebunden, der all unsere Lebensmittel trägt.

Wir haben uns entschieden, zu Lager 3 aufzusteigen und dort einige Tage zur Akklimatisierung zu bleiben. Dieser Teil bleibt eine nicht planbare Wissenschaft und hängt von schlecht kalkulierbaren Details ab. Der Herzschlag muss sich beruhigen, man braucht Schlaf, und die Atmung muss sich anpassen. Am 25. Mai überquere ich die „Football Fields“, eine Ebene vor dem Gipfel. Vollständig akklimatisiert habe ich mich noch nicht. Die Abfahrt über Orient Express ist eine Belohnung nach zehn Stunden Aufstieg. Auch wenn die Beine schmerzen, das Vergnügen überwiegt. Besonders, weil unten der Schlafsack sowie etwas zu essen und zu trinken wartet. Langsam müssen wir unsere Strategie für die ausgespähte Linie neben der Cassin Ridge umsetzen.

Skifahren mit Biwak-Ausrüstung erfordert zusätzlichen Aufwand. Die Lösung: Ein Zelt im Lager 3 zurücklassen, zu Lager 1 absteigen, ein weiteres Zelt aufstellen und dann wieder aufsteigen, um den Gipfel in zwei Tagen zu bezwingen. Am 31. Mai sind wir wieder auf dem Weg. Dieses Mal bin ich akklimatisiert. Wir erreichen den Gipfel acht Stunden, nachdem wir Lager 3 verlassen haben. Der Aufstieg ist geschafft, aber die Abfahrt bleibt fragwürdig. Wie ist der Schnee, die Traverse zur West Rib? Der Drop-in ist Wahnsinn. Wir müssen uns an die Schlüsselstellen erinnern, die wir von unten gesehen hatten. Die schmalen Schneefelder entpuppen sich als breite Couloirs, die Felsen als massive Wände.

Im ersten Drittel ist der Schnee unglaublich, und wir glauben es kaum, aber wir finden den richtigen Weg. Doch dann kommt die lange Traverse und es wird eisig, überall Spalten. Wir analysieren die Lage, seilen uns an, sichern uns gegenseitig. Einen Kilometer weiter haben wir es geschafft. Unsere Abfahrt dauert schon fünf Stunden und wir gönnen uns eine Pause zwischen West Rib und Seattle Ramp. Im Chicken Couloir werden wir noch einmal mit lockerem Schnee ohne Lawinenrisiko belohnt. So soll es sein. Bevor wir zu den Zelten kommen, verlangt das Spaltenlabyrinth des East Fork Glaciers ein letztes Mal unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Unsere neue Linie könnte „Go Fast“ heißen. Was für ein Abenteuer!

Vielleicht meine schönste und gleichzeitig anspruchsvollste Tour. Zweifellos die längste Abfahrt, die ich an einem Tag je gemacht habe. 17 Tage nach unserer Abreise aus Genf atme ich wieder den Flughafengeruch ein. Dieses Mal jedoch steht er nicht fürs Abenteuer, sondern für die sichere Rückkehr zu den Menschen, die ich am meisten liebe.

The Smell of Adventure
© Tiphaine Duperier
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© Tiphaine Duperier
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© Tiphaine Duperier
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© Tiphaine Duperier
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© Tiphaine Duperier

Fahrer: Tiphaine Duperier, Boris Langenstein

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