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Schweiz · Urner Alps (Göschenen)

Dani Arnold

Ausgabe 2021 · Text: Martin Fiala · Fotos: Martin Fiala · 5 min Lesezeit

Dani Arnold

Dani Arnold ist in der Kletterszene bekannt und wird dank Solo-Speed-Rekorden an Eiger- und Matterhorn-Nordwand auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Die Liste seiner Leistungen ist lang – …

Dani Arnold ist in der Kletterszene bekannt und wird dank Solo-Speed-Rekorden an Eiger- und Matterhorn-Nordwand auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Die Liste seiner Leistungen ist lang – Solo-Rekordzeit am Walkerpfeiler über die Cassin-Route im Mont-Blanc-Massiv, schwere Erstbegehungen, schwierigste Trad-Mixed-Klassiker und mehr. Während einer zweitägigen Skitour in seinem „Wohnzimmer“ vom Göschenen über die Albert-Heim-Hütte nach Realp durfte ich ihn besser kennenlernen. Die Verhältnisse waren gut und die Umgebung wunderschön. Mir bleibt jedoch weniger die steile Rinne durch die Granitfelsen, die wir gefahren sind, in Erinnerung, sondern ein Mensch, der jede Minute in den Bergen mit Herzlichkeit und Freude verbringt und – obwohl gelernter Snowboarder – das Skifahren zu schätzen weiß.

Dani, du bist für deine schnellen Solo Begehungen in den schwierigsten alpinen Wänden weltweit bekannt. Was ist dein ganz persönliches „Warum“ für diese schnellen und spektakulären Solos?

Nun ja – ich denke das stärkste „Warum“ ist einfach der Spass. Es war nie ein Ziel von mir, durch schwere Solo Begehungen bekannt zu werden. Es hat sich einfach ergeben, ist Schritt für Schritt passiert. Man kann nicht von heute auf morgen entscheiden, eine 1.000 Meter hohe Wand ohne Seil zu klettern. Sowas braucht jahrelange Vorbereitung, Planung und natürlich auch viel Training. Wenn dann der richtige Moment gekommen ist und alles stimmig ist, das ist dann schon was ganz besonderes für mich. Dieses Gefühl in einem derart kompromisslosen Stil durch schwere Wände zu klettern, ist nur schwer zu beschreiben.

Viele können nicht nachvollziehen, dass man derart extreme Risiken eingeht, was schätzt du daran, dich solchen extremen Risiken auszusetzen?

Ich schätze das Risiko bei einem Free Solo nicht höher ein als bei vielen normalen Bergtouren. Klar gehe ich mehr an die Grenze, das ist mir sehr wohl bewusst. Der Aufwand und die Vorbereitungen für solche Begehungen sind jedoch auch immens höher als bei einer normalen Bergtour. Besonders die mentale Auseinandersetzung vor solchen Begehungen, das Warten auf die richtigen Verhältnisse und die richtige Konstellation – bis alle Faktoren zusammenkommen - ist langwierig und auch ein Geduldspiel. Wenn ich mich dann entschließe einzusteigen, habe ich alle Aufgaben erledigt und nichts dem Zufall überlassen. Bei „normalen Touren“ geht man schon mal einfach los. Da kann man auch überrascht werden und das kann einen in brenzlige Situationen bringen. Davor habe ich viel mehr Respekt.

Hat sich Deine Einstellung zum Thema „Risiken eingehen“ über die Jahre verändert?

Sehr deutlich. Ich würde heute viele Projekte, die ich in der Vergangenheit realisiert habe, nicht mehr so durchführen. Ich habe einfach auch einige Male Glück gehabt. Ich denke, dass fast jeder Mensch solche Zeiten Euphorie durchlebt. Man fühlt sich fast unsterblich, schwebt auf einer Welle der Euphorie. Das ist zwar toll gewesen, aber mit der Zeit lernte ich, dass das halt nicht stimmt. Im Grenzbereich kann auch einiges schiefgehen. Ich empfinde es aber als eine Chance, wenn man den Mut hat, etwas zu versuchen. Es muss ja nicht immer gerade ein extremes Free Solo sein, aber mit ein wenig Mut kann man auch die Erfahrung machen, wie sich der eigene Horizont erweitert.

Obwohl gelernter Boardercrosser bist Du gerne mit Skiern unterwegs, warum kein Splitboard?

Als ich mit dem professionellen Snowboarden 2006 aufgehört habe, waren die Splitboards einfach noch nicht so toll. Das hat mich abgehalten. Als ich dann für die Bergführerprüfung auch anständig Skifahren musste, war es selbstverständlich, dass ich mich viel auf Skiern bewegt habe. Das mit dem Splitboard hole ich sicher noch irgendwann nach. Du glaubst nicht, wieviele Male ich mir ein Snowboard zum Runterfahren gewünscht habe.

Welchen Stellenwert haben für Dich Skitouren im Hinblick auf dein gesamtes alpinistisches Können und deine Projekte?

Es gibt unzählige Touren, bei denen ich mit Ski unterwegs bin, daheim oder auch auf Expeditionen. Dies aber meist, um an den Fuß der Wand oder des Eisfalls zu kommen. Unter konditionellen Aspekten finde ich Skitouren super. Es ist aber schwierig, in allen alpinen Disziplinen top zu sein. Daher fokussiere ich im Extrembereich auf die Disziplinen, die ich einigermaßen im Griff habe.

Wenn du für dich Skitourenziele aussuchst, überwiegt eher die Herausforderung im Auf- oder im Abstieg?

Mir ist der konditionelle Aspekt fast am wichtigsten. Es ist für mich sehr faszinierend, in einer wunderschönen Landschaft meine Aufstiegsspur zu legen. Das ist schon was ganz besonderes für mich, mit das Schönste im Bergsport. Und ja, das Runterfahren ist schon auch in Ordnung.

Bist Du auch bei Skitouren öfter Solo unterwegs?

Ja ich bin recht viel und gerne zum Training allein auf Skitouren unterwegs. Das sind sehr intensive Momente. Besonders körperlich, weil ich mich gerne konditionell fordere. Wenn ich mit anderen Leuten auf Tour gehe, geht es mehr darum, gemeinsam in den Bergen zu sein, schöne Augenblicke zu erleben und die einmaligen winterlichen Eindrücke zu teilen.

Entfernen sich aus deiner Sicht die Bereiche „Extrem Winter Alpinismus“ und „Extrem Skialpinismus“ auseinander oder wachsen diese Bereiche eher zusammen?

In der Breite wachsen diese zwei Bereiche zusammen, denn für viele Unternehmungen im Winter muss man in beiden Disziplinen ein gutes Niveau haben. Im Top Bereich ist es aber sehr schwierig, in beiden Bereichen ganz vorne zu sein. Um zu den Besten der Welt zu gehören, muss man sich schon ein bisschen auf das Eine oder das Andere fokussieren und diesen Weg verfolgen.

Welche ski-alpinistischen Leistungen haben Dich in letzten Jahren beeindruckt?

Gerade Jeremie Heitz hat mich schon beeindruckt. Unglaublich mit welcher Geschwindigkeit der Bursche extrem steile Linien befährt. Mit ganz großer Bewunderung habe ich auch die Besteigung und anschließende erste Abfahrt von Andrzej Bagiels mitverfolgt. Das ist schon ein sehr, sehr cooles Projekt, bei dem ganz viel Aspekte und Disziplinen vom Bergsport zusammen laufen. Dort oben die Ski anzuziehen ist schon sehr frech.

Dani Arnold
© Martin Fiala
Dani Arnold
© Martin Fiala
Dani Arnold
© Martin Fiala
Dani Arnold
© Martin Fiala
Dani Arnold
© Martin Fiala

Fahrer: Dani Arnold, Tobi Heinle

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