Norwegen · Lofoten
Green Style Choice
Ausgabe 2022 · Text: Lorenzo Alesi, Alice Linari · Fotos: Lorenzo Alesi, Alice Linari · 3 min Lesezeit

In den vergangenen Jahren versuchten wir, den Klimawandel in den Bergen aufzuzeigen, indem wir an unberührte Orte reisten, die verdeutlichen, wie einzigartig unser Planet ist und wie glücklich wir uns schätzen können, hier zu leben. Heute stellen wir uns mehr denn je die Frage,…
In den vergangenen Jahren versuchten wir, den Klimawandel in den Bergen aufzuzeigen, indem wir an unberührte Orte reisten, die verdeutlichen, wie einzigartig unser Planet ist und wie glücklich wir uns schätzen können, hier zu leben. Heute stellen wir uns mehr denn je die Frage, was jeder von uns tun kann, um den Klimawandel zu bekämpfen und welche Gewohnheiten wir verändern sollten. Der größte Teil der CO2-Emissionen wird sicherlich von Systemen verursacht, die größer sind als wir selbst; dennoch sind individuelle Maßnahmen unerlässlich, um auch kleine Erfolge zu erzielen. Deshalb haben wir uns entschlossen, im Alltag und auf unseren Reisen neue Methoden anzuwenden.
Auf unserer Reise nach Norwegen im letzten Frühjahr konnten wir Möglichkeiten eines umweltfreundlicheren Lebensstils kennenlernen. Eine Reise von der Mitte Europas in Richtung Polarkreis mit einem minimalen CO2-Fußabdruck. Wir verließen München mit einem Elektroauto, und die 3.000 Kilometer lange Reise erwies sich als einfacher, als wir dachten: Die fortschrittliche Technologie dieser Autos bietet einen unglaublichen Fahrkomfort, und wir legten beträchtliche Strecken zurück, ohne es überhaupt zu merken. Unsere größte Sorge galt anfangs dem Ladenetz in Nordeuropa. Tatsächlich ist es leicht, Ladestationen zu finden, und die 40–60 Minuten Ladezeit machen die Fahrt zwar langsamer, aber auch viel entspannter.
Über beeindruckende Brücken, mit Hybridfähren über fantastische Fjorde und vorbei an atemberaubenden Landschaften erreichten wir nach nur zwei Tagen die Lofoten. Wir fuhren Tausende von Kilometern, zwei Drittel davon mit „sauberer“ Energie, da diese in Norwegen vollständig aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird. Ein großer Fortschritt in den letzten Jahren, dank des Engagements der Regierung und der Bürger. Dies ermöglicht es uns auch, Sport im Einklang mit der Natur zu betreiben. In Ballstad, in der Hattvika Lodge, wartete unser Freund Kristian auf uns. Seine Lodge ist sowohl architektonisch als auch in Bezug auf die Energieversorgung nachhaltig konzipiert.
Am Tag nach unserer Ankunft erkundeten wir mehrere Spots, aber die warmen Vorwochen und der plötzliche Temperatursturz hatten zu einer sehr harten Schneedecke in relativ großer Höhe geführt. Doch zwei Tage später brachte ein Sturm aus dem Norden 30 Zentimeter Neuschnee. Der Kontrast zwischen den Bergen und dem Meer, das schwarze Felsband zwischen weißem Schnee und grünem Wasser, war schlichtweg atemberaubend. Einer der Höhepunkte war unser Tag am Rundfjellet. Wir wachten früh auf und fuhren nach Norden. Als wir Svolvaer erreichten, ging die Sonne auf und färbte die Küste in ein wunderschönes Rosa, das langsam in Gold überging.
Nachdem wir den Gipfel erreicht und die Aussicht genossen hatten, fuhren wir über die Nordseite ab, wo die Bedingungen ideal aussahen. Schneebedeckte Berge bis hin zum Meer, hunderte Fjorde, magisches Licht: das sind die Lofoten. Auf dem Rückweg nach Ballstad erkundigten wir uns nach dem Wetter für den nächsten Tag: Es sollte sich bereits wieder ändern. Vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag – auch das ist hier normal. Wir wachten zu weiteren 20 Zentimeter Neuschnee auf. Zu viel für unser geplantes Couloir, also entschieden wir uns für eine Alternative, gleich hinter Ballstad. Als wir den Gipfel erreichten, kam der Sturm. Das Couloir sah riskant aus, also schlug Kristian eine sicherere Linie vor. Der Schnee war fantastisch.
Der Hang öffnete sich und schenkte uns frischen Powder bis hinunter zum Auto. Auf dem Heimweg hielten wir an einem nahe gelegenen Strand, der für seinen Surf bekannt ist. Von oben sah die Küste wie gemalt aus, mit smaragdgrünem Wasser, sich brechenden weißen Wellen und Sand, den die Bäche aus den Bergen hier abluden: ein surrealer Ort. Während wir schweigend zurückfuhren, erlebten wir einen Sonnenuntergang mit ständig wechselnden Farben, an dem wir uns nicht sattsehen konnten. Es war Zeit, unsere Reise fortzusetzen. Wir waren hier, um einen neuen, grüneren Lebensstil zu erleben. Als wir den Startknopf des Autos drückten, tauchten die Bilder der vergangenen Tage noch einmal in unseren Köpfen auf.
Wir hatten unser Ziel erreicht: mit einem reduzierten CO -Fußabdruck reisen, in nachhaltigen Hütten schlafen, lokale Lebensmittel essen, die Kultur erleben und die Berge nur mit der Kraft unseres eigenen Körpers erleben. Das Rauschen des Meeres holte uns in die Realität zurück. Wir verabschiedeten uns von Ballstad und unseren Freunden und fuhren nach Norden zum nächsten Ziel unserer Reise.





Fahrer: Lorenzo Alesi, Alice Linari



