Norwegen · Trollheimen
Heja Norge!
Ausgabe 2024 · Text: Martin Fiala · Fotos: Martin Fiala · 3 min Lesezeit

Die Welt des Skifahrens zeichnet sich durch viele Facetten aus. Natürlich ist dies individuell und wird letztendlich auch durch die jeweilige Lebensphase geprägt. Während in meiner Jugend die Leistung und der Erfolg im Mittelpunkt standen, sind mir heute andere Motive wichtiger: die Liebe zum …
Die Welt des Skifahrens zeichnet sich durch viele Facetten aus. Natürlich ist dies individuell und wird letztendlich auch durch die jeweilige Lebensphase geprägt. Während in meiner Jugend die Leistung und der Erfolg im Mittelpunkt standen, sind mir heute andere Motive wichtiger: die Liebe zum Schnee, die Faszination winterlicher Landschaften und Berge, das tiefe Bedürfnis nach Freiheit und Abenteuer sowie die Freude, all dies mit Freunden zu teilen, die ähnlich empfinden.
So sehr ich es genoss, einige Jahre nicht viel zu reisen und stattdessen Abenteuer vor meiner Haustür zu erleben, wuchs in den letzten Jahren in mir der Wunsch, mit guten Freunden erneut in die Ferne aufzubrechen. Zwei Wohnmobile sollten für Thomas, Tobi, Florian und mich für zehn Tage das Zuhause sein. Wir planten, drei Ziele in Norwegen und Schweden anzusteuern, wissend, dass sich Roadtrips oft anders entwickeln als erwartet. Und tatsächlich: Es kam anders als gedacht.
Thomas und ich unternehmen pro Winter zwischen 20 und 30 Skitouren. Ich schätze seinen Enthusiasmus und seine positive Einstellung, egal wie sich die Unternehmungen entwickeln.
Ich wusste, dass er diesem Trip gute Laune bescheren würde. Florian, ein Medaillengewinner in der Abfahrt bei der WM in St. Anton und einer der besten deutschen Abfahrer überhaupt, und mich verbinden neben dem Rennsport auch einige gemeinsame Skitouren. Trotz schwerer Verletzungen hat er die Liebe zum Skifahren nie verloren und bringt neue Motivation mit. Den vierten im Bunde, Tobi, kannte ich nicht. Er und Florian hatten im Vorjahr gemeinsam die „Patrouille des Glaciers“ absolviert, einen der anspruchsvollsten Skitouren-Wettkämpfe der Welt. Mit Florians „Underestimate & Overdeliver“-Charakterzug war klar, dass uns entspannte und abenteuerliche Tage bevorstanden.
Nach knapp 30 Stunden Fahrt erreichten wir ein malerisches Hochplateau südlich des Rondane Nationalparks, unser erstes Ziel. Ein kurzer Spaziergang im frischen Tiefschnee zum Sonnenuntergang ließ die Vorfreude auf die kommenden Tage steigen. Als wir den letzten Abschnitt zum Nationalpark in Angriff nehmen wollten, wurde uns der Weg jedoch durch eine drei Meter hohe Schneeverwehung versperrt. Die Passstraße war gesperrt, und auch am nächsten Morgen blieb sie unpassierbar. Also änderten wir unsere Pläne. Bei heftigem Schneesturm und
vereisten Straßen erreichten wir schließlich Oppdal, wo die Lawinengefahr mittlerweile auf Stufe 4 gestiegen war. Ein Besuch im Sportgeschäft „Vertical Playground“, das von Tryge Sande, einem passionierten Skitourengeher und Freerider sowie ehemaligen Abfahrtskollegen, geführt wird, erwies sich als Glücksgriff. Tryge gab uns wertvolle Tipps für sichere Skitouren trotz der angespannten Lage.
Nachdem sich die Lawinenlage beruhigt hatte, erkundeten wir die Region rund um Oppdal in den folgenden Tagen intensiv. Die Tour zum Litlskjorta (1.552 Meter) bleibt mir besonders im Gedächtnis. Freunde aus Åre in Schweden hatten sie uns empfohlen, und auch Tryge legte sie uns ans Herz. Nach einem
intensiven Tiefschneetag erreichten wir spät nachmittags den Ausgangspunkt. Das Seitental war tief verschneit, und wir waren die Einzigen am Parkplatz. Bereits am Vorabend hatten wir den ersten Teil des Aufstiegs bei Dämmerung in hüfttiefem Schnee bewältigt. Am nächsten Morgen, bei kuscheligen -30° Celsius, folgten wir den Spuren vom Vortag. Trotz der beißenden Kälte und kräftiger Windböen kämpften wir uns Schritt für Schritt und abwechselnd spurend nach oben. Auf den letzten 30 Höhenmetern wurde es im Direktanstieg extrem steil, und einige mächtige Wechten sahen alles andere als einladend aus. Wir entschieden uns, den Umweg über den Grat zu nehmen und dort abzufellen. Nach insgesamt 6 Stunden erwarteten uns dann 1.400 Meter Abfahrt mit feinstem Pulverschnee – ganz für uns alleine. Ein
Die finale Tour unseres Trips führte uns zum Grøvelnebba (1.428 Meter), mit dem Ziel, die östliche Rinne zu befahren. Doch auch hier zwangen uns starke Schneeverfrachtungen zu Plan B, der jedoch keineswegs ein Kompromiss war. Die letzte Nacht feierten wir die großartigen Tage und Florians Geburtstag, doch die Kälte forderte uns ein letztes Mal heraus: Das Gas war uns ausgegangen, und die Nacht bei -35° Celsius im Wohnmobil war, gelinde gesagt, ein echter Test.





Fahrer: Tobias Baier, Florian Eckert, Thomas Hörmann



