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Norwegen · Lyngen Alps

Ticking off the Clock Towers

Ausgabe 2022 · Text: Vegard Aasen · Fotos: Vegard Aasen, Anders Vestergaard · 3 min Lesezeit

Ticking off the Clock Towers

Für Skifahrer und Fotografen sind die Lyngen Alpen mit ihrer atemberaubenden Natur und den unzähligen Tourenmöglichkeiten ein Traumziel. Das Gebirge liegt auf der Halbinsel Lyngen, fast auf 70 Grad nördlicher Breite, und ist eine der alpinsten Bergregionen Norwegens. Hier gibt…

Für Skifahrer und Fotografen sind die Lyngen Alpen mit ihrer atemberaubenden Natur und den unzähligen Tourenmöglichkeiten ein Traumziel. Das Gebirge liegt auf der Halbinsel Lyngen, fast auf 70 Grad nördlicher Breite, und ist eine der alpinsten Bergregionen Norwegens. Hier gibt es rund 140 Gletscher und gewaltige Gipfel, die sich direkt aus den Fjorden erheben, bis hin zum Jiehkkevárri, dem höchsten Berg der Halbinsel mit 1.834 Metern über NN. Die Region zieht Skifahrer aus aller Welt an, vor allem im Frühjahr, wenn die Mitternachtssonne das Skifahren rund um die Uhr möglich macht.

Lyngen steht schon seit vielen Jahren auf meiner Wunschliste, und so war die Antwort auf die Frage, ob ich dort Nikolai Schirmer und Krister Furnes Kopala filmen wollte, einfach. Die beiden sind in der Skiszene dafür bekannt, dass sie die Grenzen des Big-Mountain-Freeridens und Filmemachens immer wieder neu definieren. Die Art und Weise, wie sie steile Couloirs befahren, kombiniert mit hochwertigen Filmaufnahmen und Nikolais Storytelling, ist ihr Erfolgsrezept und hat ihnen dabei geholfen, ihren Lebensunterhalt mit dem Skifahren verdienen zu können. Ich konnte es kaum erwarten, sie in Aktion zu sehen. Nikolai und Krister hatten unterschiedliche Pläne für diese Reise, ihre Wege sollten sich nach Ankunft im Camp trennen.

Krister wollte Steilhänge befahren und sein Hauptziel war es, die erste Snowboardabfahrt an der schroffen Südseite des Jiehkkevárri zu machen, eine massive, schwierige Linie mit einer langen, exponierten No-Fall-Zone. Nikolai wollte weniger ausgesetzte Freeride-Linien fahren. Sein Plan war ein Nordosthang namens „The Clock Towers“ mit 500 Metern Steilabfahrt. Nachdem Nikolai sich im Oktober einen Achillessehnenriss zugezogen und sich erstaunlich schnell wieder davon erholt hatte, sollte dies das Highlight seiner Saison werden. Jetzt sah es so aus, als ob wir das Wetterfenster bekämen, auf das wir gewartet hatten: Sonne, kalte Temperaturen, Windstille und jede Menge Neuschnee.

Der Zustieg zum Lager auf dem Sydbreen betrug etwa zehn Kilometer mit rund 600 Höhenmetern. Mit Pulkas mit 50 Kilogramm Gewicht war dies eine echte Herausforderung für die achtköpfige Gruppe mit Nikolai, Krister, Joonas Mattila, Eivind Aanesen, Eirik Verlo, Vetle Sevild, Anders Vestergaard und mir. Nach einer Weile kamen wir an Daltinden vorbei, wo ein paar Tage zuvor zwei Personen von einer Lawine erfasst wurden. Glücklicherweise kamen sie unverletzt davon, aber am selben Tag gab es einen Lawinentoten weiter nördlich auf Lyngen. Diese Ereignisse brannten sich in unsere Köpfe, und mit großem Respekt marschierten wir nun auf große Berge und Linien zu, die uns wie Zwerge aussehen ließen.

Eine Stunde nach Sonnenuntergang erreichten wir endlich unser Lager. Ich war sprachlos. Es fühlte sich an wie im Himalaya. Die Südseite des Jiehkkevárri ragte 1.100 fast senkrechte Meter hinter dem Lager in den Himmel. Den ersten Tag verbrachten wir damit, Schneeprofile zu graben. Mit den Lawinen der letzten Woche im Hinterkopf untersuchten wir den Schnee lange und gründlich, bevor Nikolai und Eirik in der Nachmittagssonne die ersten nach Westen ausgerichteten Linien fuhren. Nikolai sprach vom besten Schnee, den er je in Lyngen erlebt hat. In den nächsten Tagen mussten wir etwas mehr Gas geben. Das schlechte Wetter sollte einige Tage früher eintreffen als ursprünglich erwartet, also mussten wir das Beste daraus machen.

Der Wecker klingelte um fünf Uhr, und um sechs Uhr hatten wir aufgefellt. Wir filmten, bis die Sonne unterging. Krister entschied schnell, dass die mächtige Südwand des Jiehkkevárri wegen der schlechten Bedingungen nicht in Frage kam. Die beiden Gruppen wurden nun zu einer, mit ein und demselben Ziel: Freeride-Linien fahren und Weltklasse-Skifilme produzieren. Der letzte Tag rückte schnell näher, und es war an der Zeit, die nach Nordosten ausgerichteten Clock Towers abzuhaken. Das Wetter sollte sich Dienstagmittag etwas bessern, also stellten wir unsere Wecker auf vier Uhr. Die Wolken waren dicht und jeden Moment schien ein Schneesturm zu drohen, doch wir vertrauten auf die Vorhersage und stiegen einfach weiter.

Als die Gruppe den Gipfel erreichte, brach tatsächlich die Sonne durch und übergoss die Clock Towers mit wunderbarem Morgenlicht. Nikolai fuhr als Erster in den Hang ein. Er war schnell und sprang die größte Cliff der Wand. Krister fand ebenfalls eine perfekte Linie, bevor Vetle einen Flip von der zweitgrößten Cliff machte. Die Stimmung war hervorragend. Es war der perfekte Abschluss unseres Trips!

Ticking off the Clock Towers
© Vegard Aasen, Anders Vestergaard
Ticking off the Clock Towers
© Vegard Aasen, Anders Vestergaard
Ticking off the Clock Towers
© Vegard Aasen, Anders Vestergaard
Ticking off the Clock Towers
© Vegard Aasen, Anders Vestergaard
Ticking off the Clock Towers
© Vegard Aasen, Anders Vestergaard

Fahrer: Eivind Aanesen, Krister Kopala, Joonas Mattila, Nikolai Schirmer, Eirik Verlo

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