Ich bin in den Bergen aufgewachsen. Als ich fünf Jahre alt wurde, durfte ich etwa drei Kilometer mit Ski abfahren, bis ich vor der Tür des Kindergartens stand. Später war es der Weg zur Schule. Zurück ging es mit einem kurzen Lift und dann noch ein ordentliches Stück zu Fuß. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, ob ich an guten Skitagen schon den Kindergarten hier und da geschwänzt habe, aber Schultage waren es richtig viele.
Als Jugendlicher lernte ich fast alle Skigebiete der Welt kennen. Ich erlebte alles – von Vereinsmeisterschaften bis zu Olympischen Spielen, genoss Traumbedingungen in bekannten und unbekannten Gebieten, hatte Erfolg und musste auch mit Niederlagen klar kommen.
Der Skisport hat mich nie losgelassen. Zwischenzeitlich verbringe ich wieder die meiste Zeit im Winter in den Bergen abseits der Skigebiete, und es ist erfrischend zu beobachten, dass ich nicht der Einzige bin. Eine junge Freeride-Generation, die im letzten Jahrzehnt in den „Vollkasko“-Skigebieten mit den fetten Latten groß geworden ist, zieht es mehr und mehr in die einsamen Gebiete, hinaus zu den abgelegenen Linien. Sie sind abenteuerhungrig, neugierig und oft auch ziemlich unbekümmert. Im Backcountry finden sie eine unglaubliche Bandbreite an Möglichkeiten und Herausforderungen. Unterschiedlichste und zum Teil neue Kombinationen von Fähigkeiten und Fertigkeiten sind gefordert. Das individuelle alpine, konditionelle, skifahrerische und sicherheitsbezogene Wissen und Können zu einem Ganzen zu formen und zu vertiefen, ist extrem reizvoll und bietet ein sehr vielschichtiges und faszinierendes Betätigungsfeld. Es fordert, setzt aber auch von Anfang an ein Mindestmaß an verantwortungsvoller Selbstbestimmung voraus. Eine Fähigkeit, die im Zeitalter der lückenlosen Regulierung immer seltener abverlangt oder gar nicht zugelassen wird. Gerade deshalb gewinnt sie wohl umso mehr an Wertigkeit und weckt gleichzeitig Sehnsüchte, sich einem solchen Abenteuer zu stellen.
BACKLINE zeigt zehn ganz persönliche Geschichten, festgehalten von zehn ganz besonderen Fotografen. Individuelle Sichtweisen auf einmalige Momente im tiefen Weiß weit abseits jeglicher Skigebiete. Bilder und Stories, die mit Mut zum Verzicht entstanden sind und mit viel Schweiß bezahlt wurden. Es sind zehn ganz unterschiedliche und persönliche Perspektiven auf das Skifahren ohne Lifte und ohne Helikopter.
Ich möchte mich herzlich bei allen Fotografen, Athleten, Autoren und Freunden bedanken, die zu der ersten Ausgabe von BACKLINE beigetragen haben. Alle haben ganz individuelle Motive und unterschiedliche Ziele. Eines haben dennoch alle gemeinsam: Sie folgen selbstbestimmt ihren Herzen und Sehnsüchten!
Viel Spaß beim Lesen und einen sicheren, schneereichen Winter 2011 / 2012.